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17.09.2023

#STRATEGIEN, Kultur und Politik, Kulturpolitik, Magazin SOZIOkultur

Drei Fragen an … Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst

Breite Beteiligung, niedrigere Hürden

Von: Dr. Edda Rydzy

Die Hessische Landesregierung hat im Februar den „Masterplan Kultur“ verabschiedet. Er entstand im Ergebnis eines umfassenden Beteiligungsprozesses und denkt erstmalig die Folgen der Corona-Pandemie und die aktuellen Fragen der Kulturpolitik zusammen. Der Masterplan skizziert Visionen, zentrale Handlungsfelder und mögliche konkrete Wege. 6,7 Millionen Euro stellt der Doppelhaushalt 2023/2024 für erste Schritte bereit.

Die Fragen stellte EDDA RYDZY.

Frau Ministerin, Sie durchbrechen mit dem „Masterplan Kultur“ bewusst den politischen Denkhorizont von Legislaturperioden. Hatten Sie viel Gegenwind? Wer waren Ihre wichtigsten Verbündeten?

Die Arbeit am „Masterplan Kultur“ hat mit dem „Kulturatlas“ begonnen, einer 2018 veröffentlichten Bestandsaufnahme der hessischen Kulturlandschaft. Darauf haben wir aufgesetzt, in einem breit angelegten Beteiligungsprozess mit allen im Land, die mit Kultur zu tun haben. Das ist aus meiner Sicht die Grundlage dafür, dass dieser Kulturentwicklungsplan auch kommenden Landesregierungen wichtige Hinweise geben kann: Niemand kann einen Plan ignorieren, der mit so vielen so kundigen und engagierten Menschen so intensiv diskutiert wurde. Da sind spannende Debatten entstanden, etwa zum Verhältnis von freien Trägern wie in der Soziokultur und staatlichen Einrichtungen. In Bezug auf die Corona-Pandemie standen hier nicht nur Konkurrenzsituationen im Fokus, sondern auch Ideen der Kooperation und die Frage, wie man sich gegenseitig unterstützen kann.

Die Corona-Pandemie verzögerte und erschwerte den Prozess teilweise, war aber zugleich eine Hilfe: Die Herausforderungen an die Kultur wurden wie unter einem Brennglas deutlich. Unser Masterplan ist der erste Kulturentwicklungsplan eines Bundeslandes, der in einem so umfassenden Prozess so dezidiert die Herausforderungen der Pandemie und die aktuellen Fragen der Kulturpolitik bündelt und realistische Lösungen skizziert.

Als eines der strategisch wichtigen Handlungsfelder haben Sie die Vereinfachung der Förderrichtlinien definiert. Welche Ergebnisse konnten Sie bis jetzt erzielen?

Der „Masterplan Kultur“ soll langfristig wirken, aber wir haben für erste Prioritätensetzungen bereits im aktuellen Doppelhaushalt 2023/2024 Mittel in Höhe von 6,7 Millionen Euro eingestellt. Und es gibt Schritte, die eher Hirnschmalz kosten als Geld – so auch die neue Kulturförderrichtlinie. Die gilt schon seit April und erleichtert vor allem für Förderungen von bis zu 10 000 Euro Antragstellung, Förderbedingungen und Nachweisverfahren. Denn gerade kleine Kulturinitiativen und individuelle Künstlerinnen und Künstler wollen kreativ sein und Kunst auf die Beine stellen – Antragsformulare empfinden sie als lästige Hürde. Zugleich müssen wir als Land darauf achten, dass wir sorgfältig mit Steuergeld umgehen und die Mittel auch ihren Zweck erfüllen. Die neue Richtlinie stellt das weiterhin sicher, legt aber die bürokratischen Hürden deutlich niedriger. Sie gilt für alle Sparten der Kulturförderung, zusammen mit den jeweiligen spezifischen Regeln etwa für Literatur- oder Musikförderung.

Sie streben einen regelmäßigen Dialog mit dem Kulturbereich in einem Kulturbeirat an. Sie wollen Kultur in Stadt und Land gleichermaßen stärken. Welche Rolle spielen dabei die Soziokultur, die Kommunen und ihre Spitzenverbände?

Sowohl die Pandemie als auch der Beteiligungsprozess zum Masterplan haben den Dialog des Ministeriums mit den Kultureinrichtungen und auch der Kultur untereinander deutlich verstärkt.

Bei der Frage, wie wir Stück für Stück das Ideal „Kultur für alle“ Wirklichkeit werden lassen können, haben wir Institutionsgrenzen überschritten, es haben sich neue Partnerschaften gebildet. Das wollen wir verstetigen und fortsetzen – in welcher Form genau, wollen wir mit den Beteiligten diskutieren. Denn entsprechende Formate dürfen nicht zu groß und damit letztlich beliebig werden, sollen aber auch niemanden ausschließen. Wir wollen eine kluge Mischung hinbekommen, damit alle gehört werden.

Nicht nebenbei: Wir haben die Förderung für die soziokulturellen Zentren in dieser Legislaturperiode noch einmal verdoppelt – über zwei Legislaturperioden hinweg sogar verfünffacht.

 

Dieser Beitrag ist erschienen in der SOZIOkultur 3/2023 Strategien

Autor*innen

  Dr. Edda Rydzy freie Autorin mit Lehr- und Vortragstätigkeit, Chefredakteurin der Zeitschrift SOZIOkultur

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