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25.10.2023

#STRATEGIEN, Förderung, Magazin SOZIOkultur, NEUSTART KULTUR

Wohlfühlen und Netzwerken für mehr Resilienz – das Auerworld Festival

Von: Katrin Kalinkus

Das „Auerworld Festival“ ist ein rein ehrenamtlich organisiertes Festival in dörflicher Umgebung. Katrin Kalinkus von NEUSTART KULTUR hat das Team bei den Festivalvorbereitungen besucht und sich mit Organisator Silvian Haselbach über die Durchhaltestrategien während der Pandemie unterhalten.

Das „Auerworld Festival“ wird seit 1999 von einer „tatkräftigen, unkomplizierten und bunt gemischten“ ehrenamtlichen Truppe realisiert. Das familienorientierte Sommer-Open-Air im dörflichen Auerstedt in Thüringen ist von Jahr zu Jahr gewachsen und begrüßt mittlerweile rund 1.500 Besucher*innen.

Das Festival steht für Vielfalt, für Leichtigkeit. Für Kunst und Kultur. Für vieles. Mit vielen Kindern!

„Das ,Auerworld Festival‘ ist ein kleines Familienfestival, wo Menschen gemeinsam Räume gestalten, in denen sie sich zuhause fühlen. Wir haben ein Banner, auf dem ,Willkommen zuhause‘ steht. Und das ist das Bild vom ,Auerworld‘. Die Leute sind hier, sie sind im Garten, in der Natur. Das Festival steht für Vielfalt, für Leichtigkeit, für einfach nur da sein und genießen. Für Kunst und Kultur. Für vieles. Mit vielen Kindern!“, lacht Silvan Haselbach, einer der Hauptorganisator*innen.

Die Teammitglieder und zahlreichen Helfer*innen leben in ganz Deutschland verstreut. Jedes Jahr kommen sie angereist, um das Festivalgelände herzurichten, Rasen zu mähen, Strom zu legen, Sitzgelegenheiten zu reparieren und sich um die Organisation des Programms, Ticketverkaufs, der Anreise und des Zeltplatzes zu kümmern. Eine Hilfe bei der Organisation ist das Netzwerk „Höme“. Obwohl Silvan und sein Team in diesem Jahr erst recht spät davon erfahren haben, nutzen sie es ab jetzt. Das Netzwerk aus Festivalbetreibenden ermöglicht Austausch und stellt Publikationen, eine Eventplanungs-App sowie ein Ticketverkaufssystem zur Verfügung. Und wie das „Auerworld Festival“ will auch „Höme“ Veranstaltungen nachhaltiger und fairer gestalten.

Motivation aufrecht halten und in Kontakt bleiben: das Wohlfühlwochenende

All die helfenden Hände sind ein immens wichtiger Teil des Festivals. Ohne sie könnte das „Auerworld“ in der Form nicht stattfinden, wäre es nicht in der Lage gewesen, stetig zu wachsen und das gute Gefühl von Gemeinschaft zu verbreiten. Doch als durch die Pandemie die Festivals in den Jahren 2020 und 2021 abgesagt werden mussten, war das ein schwerer Schlag für das Team. Motivation, Optimismus und den Kontakt zueinander aufrecht zu halten wurde zur großen Herausforderung, erzählt Silvan. „Die festivalfreien Jahre haben das Kern-Orga-Team ziemlich ausgedünnt, wodurch die wenigen verbliebenen Menschen sehr viel zu tun hatten und teils ausgebrannt sind.“

Damit sich das Netzwerk nicht verliert und das Team weiterhin an das Fortbestehen des Festivals glauben konnte, musste es sich etwas einfallen lassen. Eine Durchhaltestrategie musste her, die in Form eines Wohlfühlwochenendes umgesetzt wurde: „Die Idee gab es schon länger, da das auch in der Vergangenheit schon einmal gemacht worden war. In den letzten Jahren hatten wir aber keine Kapazitäten mehr, so etwas wieder zu organisieren, die Festival-Arbeit hatte uns alle im Griff. Im dritten Corona-Jahr hat dann doch jemand einfach einen Ort organisiert und wir konnten die Übernachtungskosten über eine NEUSTART KULTUR-Förderung abrechnen. Prinzipiell ist die Idee dahinter, dass wir uns alle im Orga-Team mal treffen, um eben nicht nur Zeit mit Koordinierungs- und Planungsarbeit zu verbringen, sondern um unsere private Freundschaft zueinander zu festigen, damit danach die gemeinsame Arbeit am Projekt auch wieder besser funktioniert. Sonst treffen wir uns immer nur zu Mitgliederversammlungen und Arbeitswochenenden, wo das Festival im Mittelpunkt steht und nicht die sozialen Aspekte der Team-Mitglieder untereinander.“

Bindungen und Gemeinschaftsgefühl wurden gestärkt und die Motivation, am Ball zu bleiben, wuchs wieder.

Das Wohlfühlwochenende tat seine Wirkung, die Bindungen im Team und das Gemeinschaftsgefühl wurden nachhaltig gestärkt, die Motivation wuchs wieder, am Ball zu bleiben und das Festival weiterhin gemeinschaftlich voranzutreiben. Besprochen wurde auch, wie es inhaltlich weitergehen soll, wofür das Festival steht, und es wurde eine gemeinsame Zukunftsvision entwickelt. Der emotionale Nutzen für das Team war so groß, dass es beschloss, auch im Folgejahr ein Wohlfühlwochenende zu organisieren und diese teambildende Maßnahme beizubehalten. „Alle beschäftigt ja stets die Frage, warum man den ganzen teils stressigen Aufwand immer macht. Wenn die Beziehungen zwischen den Mitgliedern von der reinen Arbeit auf private Freundschaften erweitert werden, steigt die Motivation erheblich.“

Das Wohlfühlwochenende hatte dabei einen regelrechten Klassenausflugs-Charakter, ließ aber auch viel Raum für spontane Ausflüge, Zeit für Gespräche und gemeinsame Entspannung. „Es wurde ein Haus für 20 bis 30 Menschen an einem Ort gebucht, wo wir auch gemeinsam etwas erleben können. Eingeladen waren erst einmal die aktiven Orga-Team-Menschen, es konnten aber auch andere Vereins- oder Team-Mitglieder mitkommen. Ein paar Leute planten das gemeinsame Essen und der Rest entwickelte sich vor Ort: ein Ausflug in die Therme, mehrere Wanderungen, Spieleabende und so weiter. Es wurden explizit keine Festival-Orga-Themen geplant“, so Silvan.

„Das Wohlfühlwochenende hat dazu geführt, dass alle Anwesenden selbstständig überlegt haben, wie sie sich persönlich einbringen möchten und welche Bereiche sie unterstützen können. Beim nächsten offiziellen Orga-Treffen waren dann die meisten der notwendigen Posten bereits besetzt. Wir hoffen sehr, dass wir es auch zukünftig immer schaffen, ein Wohlfühlwochenende zu organisieren und zu finanzieren“

Autor*innen

  Katrin Kalinkus Öffentlichkeitsarbeit NEUSTART KULTUR

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