Im Kulturbereich entsteht ein innovatives Projekt: der Datenraum Kultur. Als Leuchtturmprojekt der Digitalstrategie der Bundesregierung wird er von acatech – Deutsche Akademie für Technikwissenschaften, der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg sowie dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT gestaltet.
Mit 2,6 Millionen Euro aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ist der „Datenraum“ darauf ausgerichtet, die Vernetzung von Kultureinrichtungen und Akteur*innen zu fördern. Zentrales Ziel ist es, Kultur besser zugänglich zu machen.
Datensouveränität statt Abhängigkeit von kommerziellen Plattformen
Im Gegensatz zu kommerziell betriebenen Plattformen, als Beispiel seien Online-Versandhändler genannt, steht bei diesem Projekt die Souveränität der Dateneigner*innen im Mittelpunkt, indem Daten direkt von Teilnehmer*in zu Teilnehmer*in übertragen werden. Daten werden dezentral belassen, nicht zwischengespeichert.
In Anlehnung an den „Mobility Data Space“ entsteht damit eine technische Grundlage für den sicheren Datenaustausch zwischen den Akteur*innen der Kultur-, Medien- und Kreativsektoren. Angebote auch kleinerer Kultureinrichtungen können damit eine größere Reichweite erlangen.
Anwendungsbeispiel: Maschinenlesbare Theaterspielpläne
Greifbarer werden die Möglichkeiten beim Anwendungsbeispiel „Smarte Theaterdienste“, bei dem der Deutsche Bühnenverein mit Partnern Standards für maschinenlesbare Theaterspielpläne entwickelt. Über 1000 Theater verwalten individuelle ortsspezifische Informationen und Spielpläne. Die Schaffung von Standards erleichtert das maschinelle Auslesen von Informationen, mit denen Veranstaltungskalender automatisiert werden können.
Maschinenlesbare Spielpläne ermöglichen tagesaktuelle Kommunikation und eine erhöhte Sichtbarkeit kleinerer Theater. Das Publikum wiederum profitiert von passgenauen Suchmöglichkeiten, etwa, wenn in einer Region übergreifend nach barrierefreien Einrichtungen gesucht werden kann.
Keine Use Cases ohne Finanzierung
Der „Datenraum“ bietet viele Chancen, doch damit auch der gemeinnützige Kulturbereich davon profitieren kann, müssen passgenaue Use Cases entwickelt und finanziert werden. Derzeit werden vier Projekte erarbeitet, eine breitere Einbindung der Bereiche Soziokultur und kulturelle Bildung ist wünschenswert.
Dieser Beitrag ist erschienen in der SOZIOkultur 4/2023 Digitalität