Der Reiz einer guten Nachbarschaft liegt in persönlichen Beziehungen und analogen Zusammentreffen. Die vorgestellten digitalen Plattformen unterstützen die Entstehung von nachbarschaftlichen Netzwerken und fördern die Teilhabe aller. Gemeinsam ist allen Tools, dass sie eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung abseits einer kommerziellen Datennutzung verfolgen.
1. SoNaTe – ein soziales Netzwerk für die Nachbarschaft
Soziale Nachbarschaft und Technik, kurz SoNaTe, ist eine Onlineplattform, die Regionen beim Aufbau von Nachbarschaften unterstützt. Durch die Vernetzung von Bürger*innen und die Sichtbarmachung von lokalen Vereinen wird die Alltagsinfrastruktur verbessert und die Integration von Zugezogenen erleichtert. Nachbar*innen können sich unkompliziert in digitalen Räumen austauschen. Das Design ist besonders nutzungsfreundlich. Die Betreiberin der Plattform ist eine Genossenschaft, deren oberstes Anliegen die Hoheit über die eigenen Daten und der Schutz der Privatsphäre sind. Demzufolge verwertet sie die Daten der Nutzer*innen nicht kommerziell.
Einsatz: Vernetzung
Zielgruppe: Die Plattform wird allen Bürger*innen einer Kommune meist in Zusammenarbeit mit dieser zur Verfügung gestellt.
Funktionen: Gruppen erstellen, Kalender, Pinnwand, Forum, Umgebungskarte, Biete-Suche-Börse, Helfenden-Netzwerk
Wer steht dahinter? Ein interdisziplinäres Projektteam unter Beteiligung der Universität Freiburg und mit der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat die Plattform entwickelt. Seit dem Ende des Förderzeitraums wird SoNaTe als Genossenschaft betrieben.
2. Zusammen isst man weniger allein – Die Nachbarschaftstische
Die Nachbarschaftstische wurden im Rahmen der Portalentwicklung Digital.Vital geschaffen. Das Portal stellt als zentraler Anlaufpunkt alle Informations- und Serviceangebote für Senior*innen bündelt und soziale Teilhabe sicher. Als erstes Modul erproben einige Kommunen die Nachbarschaftstische. In drei Modellkommunen können Senior*innen bei ehrenamtlichen Gastgeber*innen online eine Mahlzeit buchen und in Gesellschaft essen.
Einsatz: Förderung von Teilhabe
Zielgruppe: ältere, alleinlebende Menschen
Funktion: Buchung von Mahlzeiten
Wer steht dahinter? Digital.Vital wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen von IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, und mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen umgesetzt. Nach Abschluss des Pilotprojektes steht das Tool ab 2022 Kommunen kostenlos zur Verfügung.
3. OPIN – Jugendliche an der Gestaltung der Nachbarschaft beteiligen
Für lebenswerte Nachbarschaften ist es wichtig, Kinder- und Jugendliche in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. OPIN – Europäischer Werkzeugkasten für Jugend ist eine webbasierte Plattform für Jugendbeteiligung. Ziel ist es, Begegnungen zwischen Organisationen und Jugendlichen zu ermöglichen und durch Partizipation ein demokratisches Bewusstsein zu schaffen. Ein gemeinnütziger Verein betreibt die Plattform. Der Quellcode ist im Sinne von Transparenz und kollaborativer Weiterentwicklung frei zugänglich und die Nutzung ist kostenfrei.
Einsatz: Beteiligungsprojekte
Zielgruppe: Initiatoren von Beteiligungsprojekten mit Jugendlichen
Funktionen: Brainstorming, Ideenwettbewerb, Karten-Tool, Meetings planen, Texte diskutieren, Umfragen durchführen
Wer steht dahinter? OPIN wurde im Rahmen des Europäischen Innovationsprojekts „EUth – Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe” entwickelt. Der gemeinnützige Verein Liquid Democracy e.V. betreibt die Plattform in Kooperation mit dem nexus Institut.
Dieser Beitrag ist erschienen in der SOZIOkultur 3/2022 Nachbarschaften