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05.03.2026

Kulturpolitik, Wahlprüfsteine

Wahlprüfsteine Baden-Württemberg

Der Bundesverband Soziokultur und die LAKS Baden-Württemberg haben zur Landtagswahl in Baden-Württemberg Wahlprüfsteine zur Rolle der Soziokultur, zur kulturellen Teilhabe, zum Ehrenamt und zur nachhaltigen Kulturarbeit formuliert.

Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, FDP und Die Linke wurden gebeten, ihre Positionen zu fünf Fragen zu erläutern.
Die Antworten dokumentieren wir im Folgenden im Wortlaut.

Die fünf Fragen lauteten:

  • Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung
    Welche Rolle spielen Kultureinrichtungen und speziell soziokulturelle Zentren aus Ihrer Sicht für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt?
  • Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit
    Welche Maßnahmen planen Sie, um kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen zu stärken?
  • Soziokultur in ländlichen Räumen
    Welche Bedeutung messen Sie Kultureinrichtungen und speziell soziokulturellen Zentren in ländlichen Räumen bei?
  • Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt
    Wie werden Sie ehrenamtliches Engagement künftig unterstützen?
  • Nachhaltige Kulturarbeit
    Mit den ökologischen Standards wurde vom Bundesverband Soziokultur eine gemeinsame Grundlage für nachhaltiges Handeln in der soziokulturellen Praxis geschaffen. Welche Programme zur Förderung nachhaltiger Kulturarbeit planen Sie?

Antworten von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

1. Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung

Grüne Kulturpolitik bedeutet für uns in erster Linie, die Freiheit der Kunst zu verteidigen, zu bewahren und zu stärken. Die Kunstfreiheit ist ein Grundpfeiler einer resilienten Demokratie und zugleich Seismograph für den Zustand unserer offenen Gesellschaft. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, den Wert und die Kraft aller kulturellen Sparten sichtbar zu machen und als verlässliche Partner*innen an der Seite der Kulturschaffenden zu stehen.

Kultureinrichtungen – insbesondere soziokulturelle Zentren – sind Orte des Austauschs, des Dialogs und der aktiven Mitgestaltung. Hier werden gesellschaftliche Fragen verhandelt, unterschiedliche Perspektiven sichtbar gemacht und Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Generationen, Hintergründe und Lebensrealitäten ermöglicht. Diese Vielfalt begreifen wir als große Stärke: Sie fördert Toleranz, Verständnis und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für uns Grüne ist Kulturpolitik dabei kein Entweder-oder. Es geht nicht um „Stadt oder Land“, nicht um „Hochkultur oder Subkultur“, nicht um „Festanstellung oder Ehrenamt“. Wir haben das Ganze im Blick. Eine lebendige Kulturlandschaft lebt vom Zusammenspiel all dieser Bereiche – und genau diese Vielfalt wollen wir stärken und absichern.

Gerade soziokulturelle Zentren nehmen eine besondere Rolle ein, weil sie gesellschaftliche Entwicklungen früh aufgreifen und Menschen niedrigschwellig beteiligen. Sie sind wichtige Orte demokratischer Praxis im Alltag.

2. Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit

Kunst und Kultur zu schaffen und zu erleben darf nicht von Einkommen, Herkunft, Bildungsbiografie oder einer Behinderung abhängen. Unser Ziel ist es, allen Menschen aktive Teilhabe zu ermöglichen. Denn nur so wird der Kulturbereich vielfältiger, gerechter und multiperspektivischer.

Wir setzen uns daher konsequent für den Abbau struktureller und praktischer Barrieren ein – in Förderstrukturen, in Gremien, in Häusern und Programmen. Dazu gehört auch, neue Zielgruppen aktiv und „aufsuchend“ anzusprechen. Kulturorte sollen selbstverständlich barrierefrei sein – baulich ebenso wie kommunikativ, etwa durch rollstuhlgerechte Zugänge oder Informationen in einfacher Sprache.

Wie wichtig uns kulturelle Teilhabe ist, zeigt die Gründung des Zentrums für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg im Jahr 2021 durch die grün geführte Landesregierung. Seitdem wurden über 400 Projekte im ganzen Land gefördert. Programme wie „Kurswechsel Kultur – Netzwerk. Richtung. Inklusion.“ unterstützen Einrichtungen dabei, inklusiver und barrierefreier zu werden. Mit dem „Diversity Audit Kunst & Kultur“ begleitet das Zentrum Kultureinrichtungen beim Aufbau nachhaltiger Diversity-Strukturen und beim Abbau von Diskriminierung.

Diese Initiativen wollen wir weiter stärken, damit noch mehr Einrichtungen – auch soziokulturelle Zentren – Teilhabe systematisch verankern können. Besonders wichtig ist uns zudem die Perspektive junger Menschen, etwa durch Kinder- oder Jugendbeiräte in Kultureinrichtungen.

3. Soziokultur in ländlichen Räumen

Rund 1,4 Millionen jährliche Besucherinnen und Besucher in soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg unterstreichen deren große gesellschaftliche Bedeutung. Viele dieser Zentren befinden sich nicht in den Metropolen, sondern in kleineren Städten und im ländlichen Raum – und sichern damit kulturelle Angebote direkt vor Ort.

Gerade in ländlichen Regionen leisten soziokulturelle Zentren einen unverzichtbaren Beitrag zur Lebensqualität, zur regionalen Identität und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie schaffen Orte der Begegnung, fördern ehrenamtliches Engagement und machen kulturelle Teilhabe niedrigschwellig möglich.

Sie sind zudem Impulsgeber für regionale Entwicklung und Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Oft entstehen hier innovative Formate und neue Beteiligungsmodelle. Diese Stärke wollen wir weiter unterstützen – im Sinne einer Kulturpolitik, die Stadt und Land gleichermaßen im Blick behält.

4. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt

Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft – gerade auch im Kulturbereich. Die Soziokultur wird von starken ehrenamtlichen Strukturen getragen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene engagieren sich unabhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Hintergrund und gestalten das kulturelle Leben aktiv mit.

Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern konkrete Unterstützung. Wir setzen uns dafür ein, bürokratische Hürden weiter abzubauen und Verfahren zu vereinfachen, damit Ehrenamtliche sich unkompliziert einbringen können. Gleichzeitig wollen wir Qualifizierungsangebote stärken, damit Engagierte gut vorbereitet und unterstützt sind.

Ebenso wichtig ist uns die Sichtbarkeit des Ehrenamts. Wertschätzung entsteht auch dadurch, dass Engagement öffentlich wahrgenommen wird – durch digitale Präsenz, durch das Erzählen von Erfolgsgeschichten und durch eine stärkere Bewerbung der Ehrenamtskarte. Wer sich engagiert, soll spüren, dass dieses Engagement für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist.

5. Nachhaltige Kulturarbeit

Nachhaltigkeit ist für uns ein zentraler Bestandteil zukunftsfähiger Kulturpolitik. Dabei verstehen wir sie nicht als zusätzliche Pflichtaufgabe, die „on top“ zum ohnehin anspruchsvollen Kulturbetrieb hinzukommt. Im Gegenteil: Nachhaltiges Wirtschaften kann langfristig Ressourcen schonen, Betriebskosten senken und Einrichtungen finanziell entlasten. Energieeffizienz, kluge Investitionen und strategische Planung sind daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch vernünftig.

Die grün geführte Landesregierung hat in den vergangenen Jahren konkrete Instrumente entwickelt, um Kultureinrichtungen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen – etwa Leitfäden, CO₂-Bilanzierungsstandards, digitale Berechnungstools und praxisnahe Arbeitshilfen für Klimaschutzkonzepte. Diese Maßnahmen schaffen Orientierung und Planungssicherheit und helfen dabei, Nachhaltigkeit strukturell im Kulturbereich zu verankern.

Besonders wichtig ist uns dabei der Dialog: Wir reden mit den Kulturschaffenden, nicht über sie. Nachhaltige Transformation gelingt nur gemeinsam, praxisnah und mit realistischen Rahmenbedingungen. Mit der Landesarbeitsgruppe Green Culture und im engen Austausch mit den Einrichtungen entwickeln wir Standards weiter und sorgen dafür, dass ökologische Verantwortung und künstlerische Freiheit zusammengedacht werden.

Unser Ziel ist eine Kulturlandschaft, die ökologisch verantwortungsvoll, wirtschaftlich tragfähig und künstlerisch frei bleibt – heute und in Zukunft.

Antworten der CDU Baden-Württemberg

1. Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung

Für die CDU nehmen Kultureinrichtungen eine wichtige Rolle für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt, gerade auch außerhalb der großen Städte, ein. Sie leisten einen konkreten Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie Begegnungsräume schaffen. Gerade in ländlichen Regionen sind sie oft zentrale Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Das stärkt Gemeinschaft, beugt sozialer Isolation vor und fördert gegenseitiges Verständnis. Für die Demokratiebildung sind solche Einrichtungen ebenfalls bedeutsam. Sie ermöglichen Austausch, Diskussion und kulturelle Teilhabe – niedrigschwellig und alltagsnah. Dadurch können demokratische Werte wie Toleranz, Respekt und Verantwortung praktisch erlebt und vermittelt werden.

2. Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit

Uns ist es ein zentrales Anliegen, kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen zu stärken und möglichst niedrigschwellige Zugänge zu schaffen. Dabei spielt insbesondere die Sicherung und Weiterentwicklung der kulturellen Infrastruktur eine wichtige Rolle, gerade auch in ländlichen Regionen. Kultureinrichtungen wie Theater, Museen, Bibliotheken und soziokulturelle Zentren sollen erhalten werden, damit Menschen unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kulturellen Bildung von Anfang an. Durch Kooperationen zwischen Kitas, Schulen, Vereinen und Kulturschaffenden sollen Kinder und Jugendliche frühzeitig mit Kunst und Kultur in Berührung kommen – unabhängig vom sozialen Hintergrund.

Sinkende kommunale Einnahmen können dazu führen, dass Angebote der kulturellen Bildung unter Spardruck geraten. Dies nehmen wir als CDU ernst. Wir setzen deshalb auf Verlässlichkeit und Partnerschaft gegenüber den Kommunen und Kultureinrichtungen. Wir stehen auch in finanziell schwierigen Zeiten zu unserer Verantwortung für Kunst, Kultur und kulturelle Teilhabe und halten die Förderzusagen stabil. Insbesondere bei gemeinsam von Land und Kommunen getragenen Einrichtungen sorgen wir für Planungssicherheit, indem Finanzierungsanteile nicht kurzfristig gekürzt werden, selbst wenn Kommunen ihre Zuschüsse vorübergehend reduzieren müssen. Damit wird verhindert, dass bewährte Strukturen der kulturellen Bildung wegbrechen.

3. Soziokultur in ländlichen Räumen

Für die CDU Baden-Württemberg sind Kultureinrichtungen und soziokulturelle Zentren im ländlichen Raum kein „nice to have“, sondern ein zentraler Pfeiler für Zusammenhalt, Identität und Lebensqualität. Kultureinrichtungen übernehmen dort weit mehr als nur eine kulturelle Funktion: Sie sind Orte der Begegnung und des Austauschs. Kultur stiftet Gemeinschaft und verbindet Menschen und trägt damit maßgeblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Gleichzeitig schaffen kulturelle Angebote vor Ort Räume für Teilhabe und Dialog und stärken so das Miteinander unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Aus CDU-Sicht ist deshalb klar: Kultur darf sich nicht auf die Städte konzentrieren, sondern muss bewusst auch im ländlichen Raum gestärkt werden. Gerade dort, wo Wege weiter sind und Angebote oft fehlen, haben Kulturzentren eine besondere Strahlkraft. Sie machen Regionen lebendig, fördern ehrenamtliches Engagement und tragen dazu bei, dass Menschen in ihrer Heimat bleiben und sich mit ihr identifizieren.

4. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt

Zunächst können kulturell engagierte junge Menschen, die ehrenamtlich tätig werden, von der Ehrenamtskarte profitieren. Zudem sind jüngst von der CDU-geführten Bundesregierung weitere Erleichterungen auf den Weg gebracht wurden, namentlich der Anhebung der Übungsleiter- und der Ehrenamtspauschale sowie die erweiterte Freistellung ehrenamtlich Tätiger von Haftungsrisiken.

5. Nachhaltige Kulturarbeit

Als CDU setzen wir vor allem auf fördernde und unterstützende Ansätze statt zusätzlicher Verpflichtungen. Der Fokus liegt dabei auf Programmen, die Kultureinrichtungen und soziokulturelle Zentren dabei helfen, nachhaltiger zu wirtschaften – etwa durch Investitionsförderungen für energieeffiziente Gebäude, klimafreundliche Veranstaltungstechnik oder ressourcenschonende Infrastruktur. Gerade kleinere Einrichtungen sollen gezielt unterstützt werden, damit ökologische Standards praktisch umsetzbar bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Beratung und Qualifizierung. Einrichtungen sollen Zugang zu praxisnaher Beratung erhalten. Zudem wird auf Anreizsysteme in der Kulturförderung gesetzt. Nachhaltigkeit kann bei Förderentscheidungen stärker berücksichtigt werden, ohne jedoch zur starren Voraussetzung zu werden. Ziel ist es, Innovation zu fördern und gute Beispiele sichtbar zu machen.

Antworten von Die Linke Baden-Württemberg

1. Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung

Kunst und Kultur haben aus unserer Sicht eine zentrale gesellschaftliche Funktion: Sie vermitteln einen anderen Blick auf die Welt, regen zum kritischen Hinterfragen an und fördern durch gemeinsame Kulturerlebnisse das soziale Miteinander. Kultureinrichtungen haben in einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft die Aufgabe, einen kritischen Blick auf das gesellschaftliche Miteinander sowie auf Missstände zu werfen und deren Ursachen zu ergründen, um die Lebensbedingungen für alle Menschen solidarisch zu verbessern.

Um die Demokratie zu stärken und eine vielfältige Gesellschaft zu bewahren, wollen wir uns der rechten Vereinnahmung von Kultur entschieden entgegenstellen. Gerade soziokulturellen und selbstverwalteten Zentren messen wir eine enorme Bedeutung bei, weshalb wir die Produktion und den Schutz solcher Orte für temporäre, nichtinstitutionelle und frei zugängliche Künste sowie Räume für Dialog und Austausch fordern und gezielt fördern wollen.

2. Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit

Der Zugang zu Kunst und Kultur darf weder vom Geldbeutel noch von der Herkunft oder den körperlichen Voraussetzungen abhängen. Wir planen ein umfassendes Maßnahmenpaket, um „Kultur für alle“ zu verwirklichen:

Wir wollen Kultur direkt zu den Menschen in die Dörfer und Stadtteile bringen. Dabei sollen insbesondere subkulturelle, interkulturelle, migrantische und queer-feministische Kulturangebote stark gefördert werden.

Öffentlich bezuschusste Kultureinrichtungen müssen perspektivisch kostenfrei und barrierefrei werden. Für Menschen mit geringem Einkommen fordern wir eine Landesförderung für Kulturpässe.

Wir planen eine verbindliche Landesförderung für den Einbau von Rampen und barrierefreien Zugängen in allen geförderten Kultureinrichtungen. Dazu gehören auch tastbare Blindenleitsysteme, Untertitel und Audiodeskriptionen bei Vorführungen, der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschung und Leichter Sprache sowie reizreduzierte Umgebungen für neurodivergente Menschen.

3. Soziokultur in ländlichen Räumen

Kulturelle Teilhabe muss auch im ländlichen Raum flächendeckend und gleichwertig gesichert sein, denn Kunst und Kultur sind absolute Ankerpunkte für die Attraktivität des ländlichen Raumes. In ländlichen und ländlich geprägten Regionen sind die Strukturen jedoch häufig defizitär, und die bestehenden Soziokulturellen Zentren, Bibliotheken, Theater und Kunstschulen leiden unter hohem Belastungsdruck durch prekäre Finanz- und Personallagen.

Wir wollen dem entgegenwirken, indem wir Kunstprojekte und soziokulturelle Initiativen in kleineren Kommunen finanziell absichern und das Theater in der Fläche stärken – etwa durch mobile Formate, Kooperationen und die gezielte Förderung kleinerer Häuser.

4. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt

Ohne Ehrenamt kann eine solidarische Gesellschaft nicht bestehen. Um das Engagement wieder attraktiver zu machen und Menschen zu entlasten, fordern wir auf Landesebene:

Erhöhung der Übungsleiterpauschalen und die Erstattung aller Fahrtkosten über den Jahressteuerausgleich, ohne Mindestbetrag für Fahrten mit dem Auto.

Die Ausgabe eines landesweiten „Ehrenamtsbonus“ in Form von Ermäßigungen in Museen, Schwimmbädern und Kinos. Auf Bundesebene wollen wir zudem einen einheitlichen Freiwilligenpass schaffen. Jugendliche Inhaber*innen der Juleica-Karte sollen günstigere Eintritte erhalten.

Wir fordern einen gesetzlichen Freistellungsanspruch und Lohnfortzahlung bei Einsätzen und Ausbildungen, damit niemand Urlaub opfern muss, um sich zu engagieren.

Ehrenamtliche Organisationen brauchen eine verlässliche Grundfinanzierung für Infrastruktur und hauptamtliches Personal – unabhängig von Spenden. Wir wollen zudem Standardisierungen von Verfahren, um das Ehrenamt von nervenaufreibendem Papierkram zu befreien.

5. Nachhaltige Kulturarbeit

„Nachhaltigkeit“ in der Kulturpraxis bedeutet für uns sowohl soziale, strukturelle als auch ökologische Nachhaltigkeit:

Wir wollen unzeitgemäße Förderstrukturen aufbrechen und die Bundes- sowie Landeskulturförderung insgesamt nachhaltiger, unbürokratischer und weniger projektorientiert gestalten. Langfristige Stipendienprogramme und die Flexibilisierung des Zuwendungsrechts sollen den ständigen Produktionsdruck mindern und eine solide Rücklagenbildung für freie Zentren und Künstler*innen ermöglichen.

Gute Kunst braucht gute Arbeit. Wir knüpfen die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln zwingend an soziale Standards, Tariftreue, branchenspezifische Honoraruntergrenzen und die gleiche Bezahlung aller Geschlechter.

Im Rahmen unseres sozial-ökologischen Umbaus wollen wir die öffentliche Daseinsvorsorge, zu der auch Kultureinrichtungen zählen, klimaneutral machen. Wir setzen dabei auf Sanieren statt Neu-Bauen, um die Graue Energie in Gebäuden weiter zu nutzen, und koppeln dies an ökologische Kriterien. Kultureinrichtungen und Bibliotheken unterstützen wir darin, nachhaltige Bautechniken und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Zudem stärken wir den Bestandsschutz für vorhandene Proben- und Produktionsräume, um einen energieintensiven, profitorientierten Neubau-Wahn zu verhindern.

Antworten der FDP Baden-Württemberg

1. Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung

Soziokulturelle Zentren und Kulturinitiativen leisten aus Sicht der FDP einen wichtigen Beitrag für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Bildung und den Austausch zwischen unterschiedlichen Milieus und Generationen. Gerade weil sie häufig niedrigschwellig arbeiten und Bürgerinnen und Bürger aktiv einbinden, schaffen sie Räume, in denen Demokratie nicht abstrakt vermittelt, sondern konkret erlebt werden kann. Kultur ist für uns dabei kein Luxus, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer offenen Gesellschaft. Entscheidend ist, dass kulturelle Orte frei bleiben von politischer Vereinnahmung und ihre Arbeit aus der Vielfalt künstlerischer Perspektiven heraus gestalten können.

2. Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit

Wir wollen kulturelle Teilhabe stärken, indem wir kulturelle Angebote im Land besser zugänglich machen und insbesondere die Vermittlungsarbeit ausbauen. Dazu gehört auch, dass wir kulturelle Bildung stärker in Schulen und außerschulischen Lernorten verankern und Kooperationen zwischen Kulturträgern, Kommunen und Bildungseinrichtungen erleichtern. Aus liberaler Sicht ist wichtig, dass Förderprogramme transparent, unbürokratisch und offen für unterschiedliche Trägerstrukturen gestaltet sind, damit auch kleinere Initiativen und Zentren faire Chancen haben.

3. Soziokultur in ländlichen Räumen

Soziokulturelle Zentren haben im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung, weil sie dort oft zentrale Orte des kulturellen Lebens und der Begegnung sind. Sie stärken nicht nur die kulturelle Infrastruktur, sondern tragen auch zur Attraktivität von Gemeinden und Regionen bei. Wir setzen uns dafür ein, dass Kulturpolitik nicht auf urbane Räume verengt wird, sondern kulturelle Angebote auch in der Fläche verlässlich unterstützt werden. Gerade dort, wo kulturelle Orte mit Ehrenamt, Vereinen und kommunalem Engagement verbunden sind, können sie eine tragende Rolle für regionale Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt übernehmen.

4. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt

Ehrenamtliches Engagement ist eine tragende Säule der Kulturarbeit in Baden-Württemberg und verdient Anerkennung und Unterstützung. Wir wollen dieses Engagement stärken, indem wir bürokratische Hürden reduzieren, Förderverfahren vereinfachen und rechtliche Rahmenbedingungen praxistauglicher gestalten. Zudem unterstützen wir Instrumente wie die Ehrenamtskarte, um freiwilliges Engagement sichtbar wertzuschätzen und konkrete Vorteile für Engagierte zu schaffen.

5. Nachhaltige Kulturarbeit

Nachhaltigkeit kann auch im Kulturbereich ein sinnvolles Leitmotiv sein, wenn sie praktikabel umgesetzt wird und nicht zu sachfremden Auflagen oder übermäßiger Bürokratie führt. Wir begrüßen daher Standards und Instrumente, die Kulturbetrieben helfen, energieeffizienter und ressourcenschonender zu arbeiten. Förderprogramme sollten aus unserer Sicht vor allem investive Maßnahmen unterstützen, etwa energetische Sanierung, moderne Technik oder effizientere Infrastruktur. Wichtig ist, dass ökologische Anforderungen nicht als zusätzliche Hürde wirken, sondern als unterstützendes Angebot, das kulturelle Einrichtungen in ihrer Arbeit stärkt statt sie zu überfordern.

Antworten der SPD Baden-Württemberg

1. Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung

Die herausragende baden-württembergische Kulturlandschaft ist von vielfältigen Kultureinrichtungen und einem breiten ehrenamtlichen Engagement geprägt. In kaum einem anderen Bundesland gibt es eine vergleichbare Anzahl von Theatern, Orchestern, Museen, freien Ensembles, soziokulturellen Zentren, Literatureinrichtungen, Festivals, Vereinen der Breitenkultur, Bibliotheken, Archiven, Gedenkstätten, Akademien und Hochschulen.

Doch die Kulturlandschaft in Baden-Württemberg steht unter enormem Finanzdruck. Auch wenn die Landesregierung Erhöhungen im Kulturetat verkündet, reichen diese nicht aus, um Tarifsteigerungen und gestiegene Betriebskosten zu kompensieren. Der finanzielle Druck, der aktuell auf den Kommunen lastet, tut sein Übriges. Die grün-schwarze Landesregierung hat es versäumt, die Kulturfinanzierung zukunftssicher zu gestalten, und gefährdet so die Vielfalt der Kulturlandschaft und die kulturelle Teilhabe. Kunst und Kultur sind zentrale Bestandteile unserer Gesellschaft. Sie tragen zum Zusammenhalt bei und fördern die Demokratie. Deshalb dürfen Kunst und Kultur nicht wieder zu einem Privileg weniger Menschen werden, sondern müssen zugänglich sein für alle Bürger:innen im Land.

Die SPD wird Kunst und Kultur den Raum geben, den sie verdienen. Eine verlässliche Finanzierung und transparente Förderung bilden die Grundlage der SPD-Kulturpolitik. Das übergeordnete Ziel der SPD ist es, die Qualität und Vielfalt der baden-württembergischen Kulturlandschaft zu erhalten.

Soziokulturelle Zentren sind für die Vielfalt der Kultur, für eine niedrigschwellige kulturelle Teilhabe und als Orte des Ehrenamts und der Nachwuchsförderung unerlässlich für Baden-Württemberg. Soziokulturelle Zentren stärken die Identität, den Austausch verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und damit die Demokratie.

2. Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit

Die SPD Baden-Württemberg steht für eine offene und diverse Kulturlandschaft. Mit einem Förderprogramm für migrantische Perspektiven in Kunst und Kultur werden wir des-halb die Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen stärken und die Beteiligung von Künstler:innen mit Migrationsgeschichte fördern. Vielfalt und Inklusion sichern wir durch die wichtige Arbeit des Zentrums für kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg und der soziokulturellen Zentren im Land.

Die SPD macht sich dafür stark, dass alle Kinder und Jugendlichen in ganz Baden-Württemberg Zugang zu kultureller Bildung haben. Insbesondere für armutsbetroffene Kinder und Jugendliche werden wir den Zugang zu Kunst- und Kulturangeboten sicherstellen.

Musikschulen, Kunstschulen und vergleichbare Institutionen sind tragende Säulen der kulturellen Bildung. Die SPD wird die Förderung fortführen und zudem die Musikschulen im Land stärken. Konkret wird die SPD die Landesförderung der Musikschulen auf 15 Prozent der anerkannten Kosten für das pädagogische Personal erhöhen. Für Jugend- und Privattheater wird die SPD mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Die SPD wird die Zusammenarbeit von Musikschulen, Vereinen und Theatergruppen mit den (Ganztags-)Schulen über die Einrichtung eines Fonds in Höhe von 20 Mio. Euro stärken. Diesen hat die SPD bereits mehrfach in den Haushaltsberatungen im Landtag gefordert – leider immer wieder abgelehnt von den Regierungsfraktionen Grüne und CDU. Der Fonds bietet Schulleitungen ein flexibel einsetzbares Budget, um die Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen zu finanzieren. Außerdem werden wir Kulturbotschafter:innen in Schulen einsetzen, um Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und kulturellen Einrichtungen bzw. Vereinen zu ermöglichen.

Die SPD wird einen landesweiten Kulturpass einführen, mit dem allen jungen Menschen in Baden-Württemberg einmalig ein Guthaben von 100 Euro für Kulturangebote zur Verfügung steht.

Über eine gute Seniorenpolitik wird die SPD auch die kulturelle Teilhabe der Älteren im Land in den Blick nehmen. Ältere Menschen sind Expert:innen für ihre eigenen Bedürfnisse. Ihre Erfahrungen, Anliegen und ihr Engagement müssen in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sowohl auf Landesebene als auch in den Gemeinden und Kommunen. Gute Seniorenpolitik braucht innovative Konzepte, gemeinsames Engagement, ressortübergreifende Zusammenarbeit und einen kontinuierlichen Austausch mit Fachorganisationen. Dafür wird die SPD eine landesweite Analyse der Lebenslagen älterer Menschen durchführen, die auch die kulturelle Teilhabe der Älteren miteinbeziehen wird.

3. Soziokultur in ländlichen Räumen

Kultur darf nicht nur Sache der größeren Städte sein. Deshalb ist es besonders wichtig, die Kulturorte im ländlichen Raum zu erhalten und zu stärken. Kultur im ländlichen Raum lebt auch von der Vernetzung und der Kooperation verschiedener Einrichtungen und Vereine. Dabei spielen insbesondere die soziokulturellen Zentren eine große Rolle. Sie können gerade im ländlichen Raum als Motor für Kultur und Kooperation dienen und sind wichtige Orte des Ehrenamts und der Nachwuchsförderung. Auf diese Weise stärken sie gerade dort, wo weniger kulturelles Leben stattfindet, die kulturelle Teilhabe für alle im Land.

Damit Kunst und Kultur auch im ländlichen Raum zugänglich sind, wird die SPD kleine Bühnen, die Breitenkultur und neue Kulturorte gezielt fördern, um Dorfzentren wiederzubeleben und die Gemeinschaft zu stärken. Die SPD steht zum Konzept der Zwischennutzung leerstehender Gebäude und zu Programmen wie „FreiRäume“, die die Kultur im ländlichen Raum stärken.

4. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt

Neben den soziokulturellen Zentren wird die SPD die Breitenkultur stärken – vom Chor und Musikverein über den interkulturellen Verein bis zum Schützenverein. Dazu wird die SPD die Vereine und Gruppen der Breitenkultur bei der Bürokratie und den steigenden Kosten entlasten. Nach dem Vorbild anderer Bundesländer wird die SPD eine Vereinbarung zur pauschalen Übernahme der GEMA-Gebühren für ehrenamtlich geführte Vereine der Breitenkultur schaffen. Darüber hinaus setzen wir uns für eine Stärkung der Brauchtumspflege in Baden-Württemberg ein, die auch von ehrenamtlich geführten Vereinen getragen wird. Vereine, Initiativen und Ehrenamtliche, die sich für die Demokratie oder für den Zusammenhalt der Gesellschaft einsetzen, fördern wir strukturell und finanziell.

5. Nachhaltige Kulturarbeit

Baden-Württemberg steht vor der größten Herausforderung unserer Zeit: der sozialökologischen Transformation. Die Klimakrise, der Verlust der Artenvielfalt und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten bedrohen unsere Lebensgrundlagen, unseren Wohlstand und unseren sozialen Zusammenhalt. Als SPD wollen wir diesen Wandel mutig und gerecht gestalten. Unser Ziel bleibt die Klimaneutralität bis 2040. Deshalb setzt sich die SPD für Klimaneutralität und Nachhaltigkeit in allen Bereichen ein.

Für die Kultur werden wir einen Fördertopf für Investitionen in Kulturinstitutionen einrichten, um zum Beispiel die klimagerechte und nachhaltige Sanierung von Spielstätten zu unterstützen. Dabei legen wir außerdem Wert auf Barrierefreiheit in Kulturorten, die bei Sanierungen berücksichtigt werden muss.

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