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02.10.2025

Treffpunkt Allzeitorte

Avraham Rosenblum: Werkzeuge der aufsuchenden Dialogarbeit: Soziokultur und politische Bildung im Zusammenspiel

In meinem Impulsvortrag habe ich von meinen Erfahrungen mit soziokulturellen Projekten im öffentlichen Raum berichtet – und von der Bedeutung all jener "kleinen" und vielfältigen Aspekte, die sie lebendig und wirksam machen. Natürlich geht es dabei um Niedrigschwelligkeit und Begegnung auf Augenhöhe. Aber ebenso um Bemühung in Offenheit, Perspektivwechsel, ein einladender sicherer Raum – und um mutige Kunst, die es ernst meint, Menschen zu bewegen.

Während meines Vortrags hatte ich das Bild eines amerikanischen Gerichtsdramas vor Augen: Wir alle – die Anwälte der "guten Seite oder Demokratie" – versuchen, die Jury (unsere Gesellschaft) und die Richter (die Politik oder andersrum) mit einer Grundlage aus Wahrheit, Fakten, Mitgefühl und Liebe davon zu überzeugen, die richtige Entscheidung zu treffen und den Weg der Hoffnung zu wählen. Ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist.

Ich sprach darüber, dass ich im Kern versuche, Menschen zumindest für einen kurzen Moment aus ihren alltäglichen Denkschienen herauszulocken – und sie einzuladen, auch nur für eine Minute eine andere Perspektive einzunehmen. Bei "Hummustopia" ist das Ziel, Menschen trotz aller Unterschiede näher zusammenzubringen und ihnen zu zeigen, dass sie mehr gemeinsam haben als sie denken:

Es wird ein Pop-up-Restaurant im öffentlichen Raum geöffnet. Das Essen ist kostenlos, aber nur dann, wenn Leute sich mit fremden Menschen hinsetzen und mit diesen über Demokratie relevante Themen so lange diskutieren, bis sie zumindest eine kleine Gemeinsamkeit gefunden haben. Unterstützend vor Ort sind professionelle Mediator*innen und Künstler*innen, die die Gespräche konstruktiv begleiten und am Ende künstlerisch weitere Perspektiven präsentieren.

Auch die anderen Projekte, an denen ich beteiligt bin, – das "Empathie-Mobil", "Dazugehören!" oder der "Waschsalon der Emotionen" – die ich im Rahmen meiner Arbeit in der Zinnschmelze und in der Momentmal!-Kooperation durchführe, verfolgen denselben Weg: Sie ermutigen und unterstützen Menschen im öffentlichen Raum auf freundliche Weise, ohne erhobenen Zeigefinger, Vielfalt zu suchen, zu leben und in einer lebendigen Demokratie zu feiern.

Die Teilnahme an der Konferenz war für mich ein äußerst bereicherndes Erlebnis – eine Gelegenheit, neue und benötigte Energie zu tanken. Allein die Begegnung mit so vielen wunderbaren, inspirierenden Projekten und den Menschen, die sie gestalten, hat mich mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt.

Text: Avraham Rosenblum

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