Am 17. und 18. Juni 2026 lud der Landesverband Soziokultur Sachsen zum Fachtag „JETZT. Stärken, was uns trägt.“ nach Hoyerswerda ein. Vor dem Hintergrund aktueller kulturpolitischer Entwicklungen – von der Novellierung des Kulturraumgesetzes bis zur zunehmenden Politisierung von Kulturförderung – stand die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle Soziokultur in einer sich wandelnden Gesellschaft spielt und wie sie als demokratische, offene und partizipative Praxis gestärkt werden kann.
Der Fachtag brachte Akteur*innen aus Soziokultur, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zusammen und bot Raum für fachlichen Austausch, Einordnung und Vernetzung. Diskutiert wurden unter anderem kulturelle Bildung und Teilhabe, regionale Verantwortung sowie die Bedingungen, unter denen soziokulturelle Einrichtungen auch künftig verlässlich arbeiten können.
Soziokultur zwischen Gemeinwesenarbeit und politischer Zuschreibung
Kristina Rahe, Geschäftsführerin des Bundesverbands Soziokultur, beteiligte sich an der Eröffnung des Fachtags und moderierte gemeinsam mit Dr. Roland Löffler das Panel „Soziokultur – bürgernahe Gemeinwesenarbeit oder politischer Störfaktor?“.
Im Mittelpunkt stand die Frage, welche gesellschaftliche und politische Rolle soziokulturelle Einrichtungen übernehmen. Sie schaffen Räume, in denen Menschen ihre Stadtgesellschaft mit den Mitteln von Kunst und Kultur mitgestalten können. Zugleich werden solche Freiräume mitunter als laut, unbequem oder politisch wahrgenommen.
Die Diskussion nahm dieses Spannungsverhältnis auf: Welchen Mehrwert bieten soziokulturelle Einrichtungen für eine Stadtgesellschaft? Wo entstehen Konflikte? Und in welcher Weise dürfen und sollen sie sich politisch positionieren?
„Soziokultur hält Räume für Dialog und Teilhabe offen, wenn demokratische Kultur unter Druck gerät. Jetzt braucht sie Rückhalt: politisch, finanziell und gesellschaftlich“, Kristina Rahe
Am zweiten Veranstaltungstag richtete sich der Blick auf die Lausitz und auf konkrete Transformationsprozesse vor Ort. Exkursionen und Gespräche verdeutlichten, wie soziokulturelle Einrichtungen regionale Entwicklungen begleiten, Beteiligung ermöglichen und neue Verbindungen schaffen.
Dabei wurde deutlich, dass die Debatten über Soziokultur nicht abstrakt geführt werden. Sie sind eng mit den jeweiligen Orten, gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Rahmenbedingungen verbunden.
Dokumentation erscheint zum Jahresende
Zum Ende des Jahres wird der Landesverband Soziokultur Sachsen eine Publikation zum Fachtag veröffentlichen. Darin sollen Redebeiträge, Ergebnisse der Diskussionen und weitere Eindrücke dokumentiert werden. Die Publikation ermöglicht es, die fachlichen Impulse des Fachtags noch einmal vertieft aufzugreifen.


