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08.06.2026

Aktuelles, Verband

Nachruf auf Günter Schiemann

Mit großer Trauer haben wir erfahren, dass Günter Schiemann, ehemaliger und langjähriger Geschäftsführer unseres schleswig-holsteinischen Landesverbands, verstorben ist. Seinem Ruhestand war, bedingt durch Krankheit, viel zu wenig Zeit vergönnt. Der Bundesverband Soziokultur verliert mit ihm einen verlässlichen Weggefährten, einen streitbaren Geist und einen Menschen, der die Soziokultur in Schleswig-Holstein und Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat.

Günter Schiemann war kein Mensch, der es sich oder anderen leicht machte. Wer mit ihm in Versammlungen saß, weiß: Er vergaß nichts. Offene Punkte blieben auf der Tagesordnung, bis sie geklärt waren. Diskussionen, in die er sich einschaltete, bekamen dadurch unweigerlich Schwung, manchmal auch Gegenwind. Doch wer genauer hinhörte, merkte schnell: Es ging ihm dabei nie ums Recht behalten. Es ging ihm um die Sache. Es ging ihm um die Soziokultur.

Anfang der 1980er Jahre, in einer Zeit gesellschaftlicher Aufbrüche und kultureller Experimente, zog es den Diplom-Pädagogen Günter Schiemann von Nordrhein-Westfalen in den hohen Norden. In Husum setzte er die Segel für die Soziokultur: Zusammen mit acht soziokulturellen Zentren gründete er 1990 die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Schleswig-Holstein, anfangs noch ehrenamtlich und mit dem unerschütterlichen Willen, aus einem losen Zusammenschluss etwas Bleibendes zu machen. Aus acht Zentren wurden im Laufe der Jahre 50 Mitgliedseinrichtungen und eine professionelle Geschäftsstelle: eine Entwicklung, die ohne seinen Einsatz kaum denkbar gewesen wäre.

Auch über Schleswig-Holstein hinaus hat er Spuren hinterlassen. Im Bundesverband Soziokultur brachte er seine Erfahrung, seine Überzeugungen und seine unnachahmliche Art ein, Dinge hartnäckig voranzutreiben. Er war ein prägender Charakter mit einer Stimme, die man hörte. Als Mitglied im Kuratorium des Fonds Soziokultur wirkte er an wichtigen Förderentscheidungen mit und setzte kulturpolitische Impulse, die weit über sein Bundesland hinausreichten. Im Sprecherrat der Kulturpolitischen Gesellschaft in Schleswig-Holstein identifizierte er Schnittpunkte zwischen den Aufgaben verschiedener Verbände und baute Brücken. Beim regelmäßigen kulturpolitischen Kulturdialog des Landes mit seinen Kulturinstitutionen war es nicht zuletzt seiner Entschlossenheit zu verdanken, dass dabei auch die Interessen der Soziokultur im Fokus standen.

Günter Schiemann war ein Urgestein und ein Querkopf. Er war unbequem, beharrlich und leidenschaftlich. Er war ein Typ, mit dem man stritt und auf den man sich verließ. Wer einmal eine Diskussion mit ihm ausgefochten hat, wird sich an seine Haltung, seine Redeweise und seinen unnachgiebigen Blick für das, was in der Soziokultur wirklich zählt, noch lange erinnern. Wir auch!
Die Soziokultur hat ihm sehr viel zu verdanken. Sein Wirken wird bleiben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.

Der Vorstand und die Geschäftsstelle des Bundesverband Soziokultur e.V.
Rainer Bode, ehemaliges Vorstandsmitglied

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