Thomas Putz von der LAG Soziokultur Thüringen sieht im Gespräch mit dem Kultur- und Veranstaltungsmagazin t.akt die freie Kulturarbeit im Land unter Druck. Einrichtungen kämpfen mit Kürzungen, unsicheren Förderstrukturen und politischen Angriffen. Der Eindruck sei, dass die aktuelle Landesregierung dem Kulturbereich weniger Bedeutung beimisst als ihre Vorgängerinnen.
Finanzielle Lage
Soziokulturelle Einrichtungen erwirtschaften weniger Einnahmen als kommerzielle Anbieter, weil ihre Angebote möglichst vielen Menschen offenstehen sollen. Öffentliche Förderung ist deshalb häufig Voraussetzung für den Betrieb. Putz sagte gegenüber t.akt: „Wir sehen, dass einige Einrichtungen bereits an diesem Kipppunkt stehen.“ Projekte fallen aus, Einnahmen sinken, Personal lässt sich womöglich nicht mehr bezahlen. Schließungen würden gewachsene Strukturen zerstören, die sich nur schwer wieder aufbauen lassen.
Der Thüringer Doppelhaushalt 2026/2027 sieht eine Globale Minderausgabe von 210 Millionen Euro vor. Davon muss das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur 72 Millionen Euro einsparen. Putz vermisst eine erkennbare Entwicklungsstrategie für den freien Kulturbereich.
Politische Angriffe
Putz berichtet von Einschüchterungsversuchen von rechter Seite, etwa durch parlamentarische Anfragen, die Herabsetzung kultureller Arbeit oder das Infragestellen von Fördermitteln. Mit Blick auf Sachsen-Anhalt warnt er vor politischer Einflussnahme auf Förderentscheidungen, falls dort eine AfD-geführte Landesregierung entstehen sollte. Er verweist darauf, dass Kunstfreiheit im Grundgesetz verankert ist und Kulturförderung zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehört.
Appell und Fachtag
Putz fordert Kulturminister Christian Tischner auf, sich öffentlich für den Erhalt der freien Kulturarbeit einzusetzen. Die LAG lädt am 27. Oktober 2026 von 10 bis 16 Uhr ins Haus Dacheröden in Erfurt zu einem Fachtag ein, der sich mit krisenfesten Einrichtungen und politischer Einflussnahme beschäftigt.


