Beim 25. Kulturpolitischen Spitzengespräch in Berlin haben sich Bund und Länder auf das Eckpunktepapier „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ und damit auf einen gemeinsamen Rahmen für ihre weitere kulturpolitische Zusammenarbeit im Bereich Künstlicher Intelligenz verständigt. Ziel ist es, den Kultursektor zu einem gestaltenden Akteur im KI-Zeitalter zu machen, Chancen von KI aktiv zu nutzen und Risiken gezielt zu steuern.
Das Papier formuliert ein gemeinsames Zielbild und drei Leitprinzipien: Kunst und Kultur sollen KI verantwortungsbewusst und transparent einsetzen können und dafür verlässliche Rahmenbedingungen und einen klaren Rechtsrahmen erhalten. Kreative, Kultureinrichtungen und Verwaltungen sollen befähigt werden, KI selbstbestimmt zu nutzen und Innovationen zu erproben. Zugleich soll der Kulturbereich zur Entwicklung souveräner KI-Lösungen beitragen und kulturelle Repräsentation sichern.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer unterstreicht den Gestaltungsanspruch von Bund und Ländern:
„Genau deshalb müssen Bund und Länder Kunst und Kultur jetzt gemeinsam in eine gestaltende Rolle bringen. Zeiten exponentieller technologischer Veränderung erfordern einen gemeinsamen Kompass und den Mut, trotz großer Unsicherheit kreativ zu handeln.“
Sechs Handlungsfelder bilden die Grundlage der weiteren Arbeit:
- KI-Kompetenz für Kultureinrichtungen und Kreative
- Rechtssicherer KI-Einsatz für Kultureinrichtungen und Kreative
- Innovation und Forschung im Bereich Kultur und Film
- Kulturdaten als strategische KI-Infrastruktur
- KI in der Förderverwaltung
- Gesellschaft und Teilhabe
Dabei sollen unter anderem Förderprozesse durch den Einsatz von KI einfacher und schneller werden sowie Barrieren gesenkt und neue Zugänge zu kultureller Teilhabe geschaffen werden.
Sven Teuber, Präsident der Kulturministerkonferenz und Kulturminister des Landes Rheinland-Pfalz, hebt insbesondere die Perspektive der Kulturschaffenden und kleinerer Kultureinrichtungen und -initiativen hervor:
„Wer kreativ arbeitet, muss davon auch im KI-Zeitalter leben können. Dafür setzen sich die Länder ein, mit einem starken Urheberrecht und mit dem Anspruch, dass nicht nur die großen Häuser profitieren, sondern auch die Bibliothek im ländlichen Raum und die Kulturinitiative vor Ort. Die Fortschrittsagenda gestalten wir deshalb nicht über die Köpfe der Kulturschaffenden hinweg, sondern mit ihnen.“
Bis 2027 sollen die sechs Handlungsfelder mit konkreten Maßnahmen, Zielen und überprüfbaren Ergebnissen unterlegt und die ausgearbeitete „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ verabschiedet werden. Dafür wollen Bund und Länder bestehende und geplante Projekte und Initiativen erfassen und erfolgreiche Ansätze sichtbar machen. Kulturverbände, Institutionen, Wissenschaft und Technologiefirmen sollen in den weiteren Prozess einbezogen werden und können eigene Perspektiven und Vorschläge einbringen.
Der Bundesverband Soziokultur hat sich bereits über den Deutschen Kulturrat an der Debatte um die künftige Gestaltung von Künstlicher Intelligenz im Kulturbereich beteiligt. In seiner Stellungnahme zur Entwicklung einer KI-Strategie der Europäischen Union fordert der Deutsche Kulturrat unter anderem verlässliche Rahmenbedingungen für Kulturschaffende und Kulturinstitutionen.
Eckpunktepapier „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ und weitere Informationen
KI in Kunst und Kultur gemeinsam diskutieren
Viele der Fragen, die die „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ aufwirft, beschäftigen auch die soziokulturelle Praxis: Wie können Kultureinrichtungen KI sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen? Welche Kompetenzen und Rahmenbedingungen brauchen sie dafür? Und wie lässt sich sicherstellen, dass auch kleinere und gemeinnützige Kulturorganisationen von den Möglichkeiten der Technologie profitieren?
Darüber wollen wir auch bei unserem Online-Barcamp „PROMPT TRIFFT PRAXIS – KI in Kunst und Kultur“ am 13. November 2026 ins Gespräch kommen. Das offene Format bietet Raum, eigene Fragen, Erfahrungen und Themen einzubringen und gemeinsam mit anderen Akteur*innen aus Kunst und Kultur zu diskutieren.


