Hitze, Starkregen, Hochwasser und Trockenheit wirken sich zunehmend auch auf Kultureinrichtungen aus. Wie Kulturorte auf die Folgen der Klimakrise reagieren und sich langfristig an veränderte Bedingungen anpassen können, hat die Kulturstiftung des Bundes im Pilotprojekt „Klimaanpassung in Kultureinrichtungen“ untersucht. Die daraus entstandene Dokumentation und ein ergänzender Maßnahmenkatalog bieten Kultureinrichtungen eine umfangreiche Orientierung für die Praxis.
Die Kulturstiftung des Bundes macht deutlich, dass Klimaanpassung neben dem Klimaschutz zu einer unverzichtbaren Aufgabe geworden ist. Hitzewellen belasten Mitarbeitende und Publikum, Starkregen gefährdet Gebäude und Veranstaltungen, Hochwasser kann Sammlungen und Infrastruktur bedrohen. Klimaschutz und Klimaanpassung müssten deshalb als „zwei Seiten derselben Medaille“ zusammengedacht werden.
Klimarisiken erkennen und Maßnahmen entwickeln
Im Pilotprojekt untersuchten 20 Kulturinstitutionen unterschiedlicher Sparten aus allen 16 Bundesländern, wie sie auf konkrete Folgen der Klimakrise reagieren können. Beteiligt war auch die Tuchfabrik Trier (TUFA). Gemeinsam mit einem interdisziplinären Expert*innenteam wurden zunächst die jeweiligen Klimarisiken ermittelt und darauf aufbauend Anpassungsmaßnahmen und individuelle Konzepte entwickelt.
Die Dokumentation beschreibt dafür einen vierstufigen Weg zum eigenen Klimaanpassungskonzept: Am Anfang steht die Analyse der standortspezifischen Klimagefahren, etwa Hitze, Starkregen, Trockenheit oder Hochwasser. Darauf folgen eine Bestandsaufnahme der Einrichtung, die Erstellung eines Klimarisikoprofils sowie die Entwicklung und Priorisierung geeigneter Anpassungsmaßnahmen.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt stark vom jeweiligen Standort, vom Gebäude, den Freiflächen und der Nutzung ab. Die Kulturstiftung empfiehlt deshalb, Klimaanpassung datenbasiert und strategisch anzugehen und zunächst zu untersuchen, wo eine Einrichtung besonders exponiert und verletzlich ist.
Nicht jede Anpassung beginnt mit einem Umbau
Klimaanpassung umfasst dabei weit mehr als bauliche Eingriffe. Die Dokumentation nennt beispielsweise angepasste Arbeits-, Öffnungs- oder Veranstaltungszeiten, eine flexible Nutzung kühlerer Räume, die Verlagerung von Programmen an andere Orte oder Notfallpläne für extreme Wetterereignisse. Auch Kommunikation, klare Zuständigkeiten und die Zusammenarbeit mit kommunalen Stellen gehören dazu.
Der ergänzende Maßnahmenkatalog bündelt 30 konkrete Ansätze. Dazu gehören Hitzeschutzpläne und Lüftungsroutinen, unterschiedliche Formen der Verschattung, Trinkwasserspender, Starkregeneinsatzpläne und mobiler Hochwasserschutz ebenso wie Gründächer, Fassadenbegrünung, Baumpflanzungen oder Wassermanagement. Die einzelnen Steckbriefe beschreiben unter anderem Zielsetzung, Voraussetzungen, Aufwand, Kostenrahmen und mögliche nächste Schritte.
Klimaanpassung braucht Ressourcen
Gleichzeitig macht die Kulturstiftung deutlich, dass Klimaanpassung nicht allein durch veränderte Routinen zu bewältigen ist. Viele Einrichtungen arbeiten bereits mit begrenzten Ressourcen. Anpassungsmaßnahmen können tiefgreifende Veränderungen an Gebäuden und in organisatorischen Strukturen erfordern. Die Dokumentation formuliert deshalb ausdrücklich: „Der Kultursektor braucht eine gezielte Förderung für die dringend notwendigen Investitionen in Anpassungsmaßnahmen.“
Viele Maßnahmen an Gebäuden und Freiflächen sind kostenintensiv. Die Dokumentation verweist auf Fördermöglichkeiten auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene und empfiehlt, Klimaanpassung möglichst mit ohnehin geplanten Umbauten, Renovierungen oder Sanierungen zu verbinden. Zugleich braucht es für Planung und Fördermittelanträge entsprechende personelle Kapazitäten.
Für die Kulturstiftung ist Klimaresilienz daher keine optionale Zusatzaufgabe. Die langfristige Nutzung vieler Kulturorte werde nur möglich sein, wenn sie an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden. Ausdrücklich nennt die Dokumentation dabei auch soziokulturelle Zentren.
Die Dokumentation „Klimaanpassung in Kultureinrichtungen“ und der ergänzende Maßnahmenkatalog bieten Grundlagen, Leitfragen und konkrete Ansätze für Einrichtungen, die sich mit ihren eigenen Klimarisiken und möglichen Anpassungsmaßnahmen beschäftigen wollen.


