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Zum Fachtag Soziokultur in Mecklenburg Vorpommern „Kulturelle Grundversorgung und Vielfalt erhalten“ hielt Ellen Ahbe einen Impuls zum Thema „Demokratie stärken”. Der Bundesverband Soziokultur brachte sich darüber hinaus in zwei Workshops zu den Themen Demokratiestärkung und Nachhaltigkeit auf dem Fachtag ein.

Impuls vom 1. Dezember 2023

Guten Tag an alle, die sich hier heute zusammengefunden haben, um die Soziokultur in Mecklenburg-Vorpommern zu vier thematischen Säulen zu stärken! Vielen Dank an Dich, liebe Ulrike Hanf, und den Vorstand des Landesverbandes für diesen Fachtag und für die Möglichkeit des Bundesverbandes, sich in zwei Workshops zu den Themen Demokratie und Nachhaltigkeit einzubringen!

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um die Sicht des Bundesverbandes auf bedrängende Entwicklungen in unserer Gesellschaft und die mögliche Rolle der Soziokultur mit Ihnen und euch zu teilen.

Alarmierend: Demokratie auf dem Prüfstein

Wir werden zunehmend mit dem Ausmaß an globalen Konflikten konfrontiert. Wir alle spüren die polarisierenden Auswirkungen, nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern auch in ihrer Mitte, derzeit besonders deutlich durch einen alarmierenden Anstieg des Antisemitismus. Die Normalisierung nationalistischer Ideologien im ganzen Land ist besorgniserregend. Ebenso erschreckend ist die Tendenz, nicht demokratische Parteien in Landtage einziehen zu lassen.

Auf der anderen Seite fühlen sich viele Menschen von Politik nicht angesprochen und stehen der Demokratie indifferent bis ambivalent gegenüber. Das Gefühl in politischen Diskursen und Prozessen nicht ausreichend repräsentiert zu sein, kann zu einem Legitimitätsverlust der Demokratie führen, Spaltungstendenzen und populistische Erklärmuster verstärken.

Die Existenz der Demokratie und das Leben von demokratischen Grundsätzen im Kleinen wie im Großen hängen von unserer Fähigkeit ab, Konflikte gemeinsam zu bewältigen. Dabei ist entscheidend, wie gut wir es schaffen, öffentliche Debatten zu führen, die alle mit einbezieht, in der sich nicht viele kleine Gruppen in ihre Bubble und ihre völlig abgetrennten Weltsichten hineinsteigern, abspalten und anfällig werden für demokratiegefährdende Meinungsführer*innen. Oder sich ihnen sogar anschließen.

Zusammenhalt fördern – durch Soziokultur

Rufen wir uns ins Gedächtnis, welcher Verlust an Kommunikationskanälen und Räumen für gesellschaftlichen Dialog in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Aus Gewerkschaften, Parteien und Kirchen stiegen kontinuierlich die Mitglieder aus, teilweise aus gutem Grund. Diese Entwicklung ist nicht per se negativ. Doch was kann diesen Verlust an gemeinschaftlicher Verortung ersetzen? Konkret: Wie kann die Soziokultur hier in der Breite wirken, um dieser Entwicklung dauerhaft etwas entgegenzusetzen?

Wie kann sie noch stärker denn je Räume für Begegnung für möglichst viele verschiedene Bevölkerungsgruppen schaffen, um auf ihre Weise, mit kreativen spannenden Angeboten den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu befördern und somit die Demokratie zu stärken?

Soziokultur stärkt Partizipation und Mitgestaltung

Die Soziokultur bietet mit ihrem Bekenntnis zu Partizipation und Gerechtigkeit eine Plattform für den Dialog in schwierigen Nachbarschaften. Sie spricht marginalisierte Gruppen ebenso an wie „ganz normale Leute“, die das Gefühl haben, kein Gehör mehr zu bekommen. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung an den Prozessen wiederzuerlangen, die viele Einzelne mittlerweile abgeben an die, die einfache Lösungen parat halten … diese Selbstwirksamkeit in soziokulturellen Veranstaltungen und Projekten zu erlernen und zu erfahren, führt zu Schlüsselkompetenzen, auch für die demokratische Praxis in weiteren Lebensbereichen.

Gemeinschaftliche Verortung beginnt an einem gemeinsamen Ort

Soziokulturelle Zentren sind Orte der Selbstermächtigung und des ständigen Dialogs. Als dritte Orte sind sie offen zugänglich für alle und laden ein zu Begegnung und Kommunikation. Also bilden sie die Basis für ein respektvolles und friedliches Miteinander.

Um diese Stärke der Soziokultur auf Bundesebene modellhaft einmal mehr aufzuzeigen und das Fachfeld weiterzuentwickeln, wird der Bundesverband Soziokultur in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung bis 2025 ein Programm mit dem Titel „Allzeitorte“ durchführen.

Förderprogramm „Allzeitorte

Unser Programm „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ will Menschen dort erreichen, wo sie sich aufhalten: an Alltags- und Freizeitorten. Durch innovative Beteiligungsformate, die im Kleinen etwas bewegen, sollen sich Menschen als gestaltende Kraft ihrer Alltagsräume und damit potenziell auch weiterer demokratischer Prozesse erleben. Damit sollen sie im Idealfall längerfristige Anlaufstellen für ihre weiteren Anliegen finden. Die Ausschreibung wird auf unserer Webseite, über unseren Newsletter sowie weitere Kanäle die Akteure der Soziokultur erreichen.

Soziokultur ist kulturelle Grundversorgung

Darüber hinaus möchte ich ein paar Zahlen aus unserer Statistik bemühen, um unter Beweis zu stellen, dass die Soziokultur auch unter weiteren Aspekten eine demokratisch organisierte kulturelle Praxis ist.

Allein daran ist ersichtlich, dass soziokulturelle Zentren das Potenzial und somit die Berechtigung haben, ein ganz selbstverständlicher Bestandteil der kulturellen Infrastruktur von Städten und Gemeinden zu sein. Denn sie erfüllen Aufgaben der kulturellen Grundversorgung.

Etwa 16 Millionen begrüßt die Soziokultur bundesweit in einem Kalenderjahr. Ebenso viele Menschen besuchen die 1. Bundesliga im Fußball.

Der Erfolg und somit die Relevanz der soziokulturellen Zentren zeigt sich auch an der wachsenden Zahl der Besucher*innen. Etwa 16 Millionen begrüßt die Soziokultur bundesweit in einem Kalenderjahr. Ebenso viele Menschen besuchen die 1. Bundesliga im Fußball. Das ist beachtlich!

Die Zentren sind lebendige Orte der Gemeinschaft, die gerade in strukturschwachen, in ländlichen Räumen – aber auch in sozial schwierigen urbanen Quartieren durch Kunst und Kultur die Freiräume schaffen, die sonst bitter fehlen würden. Soziokulturelle Zentren sind also nachweisbar Orte für Integration, Inklusion und Teilhabe.

Sie leisten durch spannende Veranstaltungsprogramme einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen, vor allem in ländlichen Räumen. Zugleich ist die Soziokultur auf dem Weg, die sozial-ökologische Transformation zu stemmen und über allen Maßen bestrebt, mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft technisch wie auch diskursiv Schritt zu halten.

Demokratiestärkung der Soziokultur muss finanziert werden

Diesen langfristigen Herausforderungen stellt sich die Soziokultur eigenmotiviert und mit großem Engagement, bundesweit sind es ca. 16.000 Ehrenamtliche. Im rechnerischen Durchschnitt kommen auf eine festangestellte Person 10 Ehrenamtliche. Das ist enorm!

Eines muss jedoch klar sein: Diese aktive Stärkung der Demokratie ist mit Kosten verbunden. Die Arbeit der soziokulturellen Einrichtungen ist kein Selbstverständnis. Über die verbale Wertschätzung hinaus ist eine dauerhafte, verlässliche und nachhaltige Finanzierung der soziokulturellen Strukturen, gerade in der aktuellen wirtschaftlich schwierigen Situation nach den Jahren der kräftezehrenden Pandemie völlig unabdingbar.

Deshalb sind Fragen zur Demokratiestärkung immer auch Fragen zu einer nachhaltigen Finanzierung der soziokulturellen Zentren und Initiativen: Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichend Förderung! Nur dann kann die Soziokultur weiterhin zunehmend wichtige Beiträge zum demokratischen Gefüge unserer Gesellschaft leisten.

Die Soziokultur stellt sich allen genannten Herausforderungen mit Fantasie und Kreativität. In diesem Sinne bleiben wir dem Brandt’schen Geist treu: „Mehr Demokratie wagen“.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Bundeskongress des Fonds Soziokultur am 24. und 25. April in Berlin.

Es gab etwas zu feiern, einen „Pool an Reichtum“, der im Rahmen der Neustart-Förderprogramme des Fonds Soziokultur entstanden ist. Seit Beginn der Pandemie konnten rund 1.500 Zentren, Initiativen und soziokulturelle Projekte (und vor allem auch Prozesse) mit 34 Mio. € unterstützt werden. Was passiert jetzt und in Zukunft mit den angesammelten Ideen und Erfahrungen, wie verändern sie die Soziokultur? Darum ging es bei der zweitägigen Tagung in Berlin.

Blick zurück auf die Neustart-Förderprogramme

„Soziokultur ist da, wo es in der Gesellschaft brennt“, sagte Frau Dr. Hahne, die Vertreterin der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), die die Mittel bereitgestellt hatten und lobte die gute und effektive Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziokultur. Schnell und passgenau seien die Mittel dort eingesetzt worden, wo sie wirklich gebraucht wurden. Innerhalb kürzester Zeit sei ein „Think-and-Do-Tank“ entstanden, der sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt gekümmert habe.

Mechthild Eickhoff, Geschäftsführerin des Fonds Soziokultur, beschrieb wie der Fonds die Förderprogramme selbst zum Teil eines Transformationsprozesses gemacht hat: „Auch für uns war das alles komplett neu.“ Ein internationaler Mentoring-Prozess wurde eingebaut, und in der zweiten Förderphase switchte der Fonds von der Projekt- zur Prozessförderung, um auf die geänderten Bedürfnisse der soziokulturellen Initiativen und Zentren einzugehen und der oft kritisierten Projektitis entgegenzuwirken.

Einige ausgewählte Vorhaben – z. B. aus dem Integrationshaus Köln – wurden auf der Tagung vorgestellt, die es Künstler*innen mit migrantischen Wurzeln aus unterschiedlichen Sparten ermöglichten, in etablierten Kultureinrichtungen ein selbstgewähltes Thema zu bearbeiten und damit zu irritieren. Das Projekt „Klimaparlament“ gab nichtmenschlichen Lebewesen und Dingen eine menschliche Stimme, eine Interessensvertretung mit Bezug zur Nachhaltigkeit: Der Feldhamster bestimmt jetzt mit über eine ökologische Entwicklung. (Hier den Beitrag über das Klimaparlament im Magazin SOZIOkultur zum Thema ENERGIE nachlesen.)

In einer Reihe von Workshops war es möglich noch tiefer in unterschiedliche Fragestellungen einzutauchen, die durch die Förderungen lokal bearbeitet wurden. Die Palette der Themen war breit: Kunst der sozialen Versammlung, Intersektionalität, kreative Kampagnenentwicklung, Utopien, Aneignung öffentlicher Räume oder auch: Wie bringt man eine bad practice bubble zum Platzen?

Positives Feedback aus der Evaluation

Das Institut für Kulturpolitik in Bonn und Educult aus Wien evaluierten die Neustart-Förderprogramme des Fonds Soziokultur, mit dem Ergebnis durchgehend hoher Akzeptanz und guter Bewertungen. Herausgehoben wurden die hohe Qualität des Vergabeprozesses über verschiedene Fachjurys, aber auch die gelungene Flexibilität. Eine besondere Rolle kam dem Begleitprogramm Re:Vision X zu, das über die Bereitstellung von Geldern erheblich zur „Horizonterweiterung“ und „Impulsgebung“ beigetragen habe. Aus der Evaluation wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet, sowohl für den Fonds als auch für die Kulturverwaltung und die Politik.

Lücke zwischen Anerkennung und Ausstattung

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion „Politik & Praxis: Welche Förderung brauchen wir?“ wurde es dann spannend, als Moderator Peter Grabowski auf den deutlichen Unterschied zwischen allgemeiner und fachlicher Anerkennung sowie materieller Ausstattung für die Soziokultur hinwies. „Die gesellschaftliche Bedeutung von Soziokultur bildet sich nicht monetär ab“, auch nicht unter einer Ampel-Regierung, meinte der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Helge Lindh durchaus selbstkritisch. „Politik hat leider nicht so sehr den Blick für das Spektakuläre des Alltags.“

Für den Bundesverband Soziokultur verwies Ellen Ahbe noch einmal auf die prekären Arbeitssituationen in den allermeisten soziokulturellen Zentren, unabhängig von der Corona-Krise. In der Krise sei gut und mit viel Ressourcen geholfen worden, jetzt gehe es darum, wie eine strukturelle Förderung weiterentwickelt werden könne, um sich langfristig mit den gesellschaftlichen Herausforderungen von Fragen der Teilhabe über Demokratie bis hin zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele kulturell auseinanderzusetzen. Eine Diskussionsteilnehmerin forderte: „Soziokultur erreicht Menschen, da sind andere Kultureinrichtungen weit von entfernt. Wir müssen uns in der Kulturpolitik mehr an einem public value orientieren.“

Und woher sollen die Mittel für eine verstärkte Förderung der Soziokultur kommen, die ja alle für sinnvoll halten? „Wo soll das Geld weggenommen werden?“, fragte die Kongressmoderatorin Vivian Perkovic während einer Veranstaltung explizit. Die Antworten waren eindeutig und reichten von Übergewinnsteuer über klimaschädliche Subventionen bis hin zum Rüstungsetat.

Internationales Monitoring-Programm als Novum

Am zweiten Tag beschäftigte sich die Tagung vor allem mit dem international angelegten Mentoring-Programm Re:Vision X, einem Novum in der Geschichte des Fonds Soziokultur. Neben den internationalen Mentor*innen kamen auch die Gäste aus Groß-Britannien vom Programm „Cultural Bridge“ ausführlich zu Wort und steuerten ihre Erfahrungen bei.

Spannender Tagungsort

Interessant war auch das Tagungsgebäude selbst: Eine umgebaute Generatorenhalle in der Mitte von Kreuzberg, nicht weit vom legendären SO36 entfernt. Ursprünglich wollte hier Google einziehen und seinen Berlin-Campus aufbauen, was aber die Anwohner*innen aus Sorge vor noch mehr Gentrifizierungsdruck durch Proteste verhinderten. Heute residiert hier das „bUm“, ein gemein-wohlorientierter Co-Working-Space, „ein Ort zum Arbeiten, Veranstalten, Lernen und zum gemeinsamen Weltverbessern“, heißt es auf der bUm-Website. „Hier begegnen sich soziale Gründer*innen und Menschen ohne Wohnung, Politik und Nachbarschaft, gemeinwohlorientierte Unternehmen und ehrenamtlich Engagierte, gemeinnützige Organisationen und Aktivist*innen.Wir fördern den Austausch und die Vernetzung unterschiedlichster Menschen und Perspektiven, damit mutige Kollaborationen entstehen, die alle stärker machen!“ Sounds like Soziokultur.

Weitere Infos unter: https://profil-soziokultur.de/kongress-2023

Thomas Hartmann, Geschäftsführer der Stadtkultur Bremen, und Franziska Mohaupt, Referentin für Nachhaltigkeit beim Bundesverband Soziokultur, sprechen über soziokulturelle Wege aus der Klimakrise und über die positive soziale Energie, die dafür gebraucht und gewonnen wird.

Thomas  Hallo Franziska. Du bist ja seit dem Sommer 2021 unsere Nachhaltigkeitsreferentin beim Bundesverband Soziokultur. Was hast du denn davor gemacht?

Franziska  Ich war am Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung und habe mich dort mit Nachhaltigkeitsfragen befasst.

Thomas  Das hört sich ja eher theoretisch an.

Franziska  Ja, meine Forschungsprojekte endeten häufig mit Handlungsempfehlungen. Das ist gut und wichtig, aber mir hat das nicht mehr gereicht. Ich wollte das Thema lieber in der Praxis angehen. Ich möchte Organisationen bei ihren Transformationsprozessen unterstützen und begleiten. Also mit ganz konkreten Änderungen in den tatsächlichen Arbeitsabläufen und dazu auf Bundesebene in unserer AG Nachhaltigkeit. Das motiviert mich.

Thomas  Das war wirklich eine sehr gute Entscheidung des Bundesverbands, eine Stelle für Nachhaltigkeit zu schaffen …

Franziska  … Ja, aber das war ja nicht so, dass das ein neues Thema für die Soziokultur war. Ich konnte auf Vielem aufbauen. Es gab wichtige Projekte wie „Jetzt in Zukunft“, das sich bereits systematisch mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat. Es gibt viele Initiativen und engagierte Akteur*innen, den gemeinsamen Willen, etwas zu stemmen. Diese Haltung ist ein großer Pluspunkt – ich muss niemanden überzeugen, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Weniger präsent sind Instrumente und Strukturen, um Nachhaltigkeit systematisch in einer Organisation zu verankern. Damit meine ich so was wie Handlungsfelder, Indikatoren und Bilanzierung. Außerdem treibt mich um, dass der Handlungsspielraum in vielen Einrichtungen so klein ist. Dabei gibt es dicke Bretter zu bohren: Mehr als neun von zehn Einrichtungen heizen mit fossilen Brennstoffen, die allermeisten mit Gas. Viele würden gerne energetisch sanieren und mit erneuerbaren Energien heizen. Das sind große Investitionen für Eigentümer. Und Mieter*innen müssen erst einmal die Eigentümer überzeugen.

Thomas  Ja, das stimmt, aber es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir können nicht hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird. Die Veränderungen sind in vollem Gange: Allein, das Klimakrisezu nennen, ist ein Euphemismus. Oder wie die Direktorin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts Antje Boetius bei unserer Bremer Green-Culture-Tagung im September sagte: „Es geht schlicht ums Überleben!“

Franziska  Ja, klar: Ich finde es wichtig, was zu tun. Auch gegen dieses Gefühl der Ohnmacht. Aber es gibt ja durchaus auch eine gute Entwicklung. Als ich Mitte der neunziger Jahre Umwelttechnik zu studieren begann, war das noch etwas sehr Besonderes. Inzwischen hat sich die Anzahl von Studiengängen, die auf Umwelt und Nachhaltigkeit zielen, vervielfacht. Und wir haben ein Ministerium, das Wirtschaft und Energiewende zusammendenkt. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat uns überdeutlich vor Augen geführt, dass die aktuelle Wirtschaftsweise nicht funktioniert. Diese Erkenntnis kommt inzwischen auch bei Konservativen an. Die Energiewende und die radikale Dekarbonisierung der Produktion sind eben alternativlos.

Thomas  … Und dann werden die AKW-Laufzeiten verlängert, 100 Milliarden in die Aufrüstung gesteckt und unser grüner Umweltminister fliegt nach Katar wegen Flüssigerdgas. Über den Weltklimagipfel und das 1,5-Grad-Ziel will ich gar nicht erst reden …

Franziska  … Es gibt Momente, in denen ich mich tatsächlich am liebsten mit der Letzten Generation auf die Straße kleben möchte.

Die Frage ist nicht, ob, sondern wie wir auf den Klimawandel reagieren: Und hier spielt das Soziale eine der wichtigsten Rollen.

Thomas  Also, wenn du meinst. Mir wäre das zu masochistisch. Aber klar: Klima-Protest ist wichtig! Wenn ich daran denke, wie neulich eine Protestaktion für den Tod einer Berlinerin verantwortlich gemacht werden sollte, die mit dem Fahrrad unterwegs war und von einem LKW überfahren wurde, zeigt das doch sehr deutlich, wo unser Land politisch-gesellschaftlich steht. Hinsichtlich unserer Strukturen ist jedoch ein anderer Diskurs entscheidender: In der letzten Zeit habe ich in kulturpolitischen Diskussionen sowohl auf Bundes-, aber auch auf Landesebene immer wieder registriert, dass die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung des Sozialen oder der Existenzsicherung unserer Einrichtungen nach hinten geschoben wird. Klimaschutz und soziale Nachhaltigkeit werden so nicht nur gegeneinander ausgespielt. Vielmehr wird der Klimawandel so letztlich relativiert. Er findet aber statt. Die Frage ist also nicht, ob, sondern wie wir reagieren: Und hier spielt das Soziale natürlich eine der wichtigsten Rollen. Das sollte doch aus soziokultureller Sicht eh klar sein!

Franziska  So ist es. Dennoch ist Nachhaltigkeit angesichts der Tatsache, dass die Soziokultur prekär aufgestellt ist, tatsächlich ein hoher Anspruch. Prekär heißt ja nicht nur kein Geld, das heißt auch und vor allem, dass es an personellen Ressourcen fehlt. Fast alle sind permanent überlastet. Und die sollen jetzt auch noch Nachhaltigkeitsthemen managen? Ja! Weil es keine Alternative zu dieser Entwicklung gibt. Und im Kern ist nachhaltiges Organisationshandeln nicht unbedingt mit mehr Arbeit verbunden. Es geht darum, anders zu arbeiten.

Thomas  Das hört sich gut an. Und wie funktioniert das?

Franziska  Ein Beispiel: Vor einigen Wochen haben Hanne Bangert und ich einen Workshop zum Thema Nachhaltigkeit in Niedersachsen vorbereitet. Da stand genau das im Raum: Unsere Hebel sind ziemlich klein. Wo sollen wir die Reserven zum Umsteuern hernehmen? Wir haben den Workshop dann durchgeführt. In vier Stunden kamen mehr als dreißig Maßnahmen zusammen, die sich ohne unerträglichen Mehraufwand realisieren lassen. Damit ist der Anfang gemacht.

Thomas  Uns bleibt ja auch nichts anderes übrig, als überall und konkret mit unseren kleinen Hebeln und unseren Handlungen an den Dingen anzusetzen, die wir direkt beeinflussen können. Ist das getan, können wir uns den komplexeren Themen zuwenden und neue Verbindungen eingehen.

Franziska  Du hattest mal erwähnt, dass du das früher anders gesehen hast.

Thomas  Ja, ich habe mich in meinem Philosophie-, Soziologie- und Politikstudium vor allem mit Fragen emanzipatorischer Politik und Praxis beschäftigt. Allerdings kannte ich da Bruno Latour noch nicht. Durch die Beschäftigung mit seinem Handlungs- und Praxisbegriff haben sich bei mir frühere Positionen verändert. Latour geht von der Komplexität, Diversität und Heterogenität jeder Handlung aus und bestimmt Handeln als einen Knoten, ein Konglomerat aus vielen überraschenden Handlungsquellen: Deshalb der komische Ausdruck „Akteur-Netzwerk-Theorie“ (ANT). Handeln sei nicht lokal(isierbar), sondern stets verlagert, verschoben, dislokal, und ein Akteur sei nicht der Ursprung einer Handlung, sondern das bewegliche Ziel eines riesigen Aufgebots von Entitäten, die zu ihm hinströmen. Die Handlungstheorie der ANT definiert Latour entsprechend als: jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun. Aber kommen wir doch wieder auf unseren konkreten Weg zur Nachhaltigkeit in der Soziokultur zurück: Wie kann dieser gelingen?

Die grundlegendste Bedingung besteht darin, sich überhaupt ernsthaft auf das Thema einzulassen.

Franziska  Zusammengefasst vielleicht so: Die grundlegendste Bedingung besteht darin, sich überhaupt ernsthaft auf das Thema einzulassen. Diese bewusste Entscheidung, verknüpft mit einem Workshop, der alle einbezieht und wo gemeinsam erste Schritte gegangen werden, ist der Startschuss für einen Prozess, der eigentlich niemals aufhört. Dabei mit offenen Augen und ohne Angst vor möglichen Fehlern systematisch entlang von Handlungsfeldern wie etwa Beschaffung, Energie und Gebäude die eigenen Arbeitsabläufe zu untersuchen und zu prüfen, wie sie geändert werden können, um weniger Ressourcen zu verbrauchen. Aus dieser systematischen Betrachtung gilt es, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Aus der täglichen Abarbeitung dieses Konzepts, wie klein die einzelnen Schritte auch sein mögen, ergibt sich die Erfahrung der Machbarkeit. Aus kleinen Erfolgen entsteht positive Energie für die nächsten Schritte. Ihr hattet in Bremen ja auch Erfolg mit der Beantragung der Koordinierungsstelle Klimaschutz.

Thomas  Ja, wir haben inzwischen die Koordinierungsstelle beantragt, aber genehmigt ist die noch nicht. Hintergrund ist die Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten im kommunalen Umfeld, die Kommunalrichtlinie. Die Koordinierungsstelle soll unseren Mitgliedseinrichtungen zur Ansprache und Informationsvermittlung hinsichtlich der Möglichkeiten zur Reduktion von Treibhausgasemissionen zur Verfügung stehen. Sie soll bei der Initiierung und Durchführung von treibhausgasmindernden Maßnahmen begleiten und Finanzierungsmöglichkeiten entwickeln. Sie soll regionale fachliche Ansprechpartner*innen für die Umsetzung von Klimaschutzprojekten vermitteln. Der Bund zahlt 70 Prozent und das Land will den Rest übernehmen. Von solchen gemeinsamen Initiativen können unsere Kolleg*innen in anderen Bundesländern nur träumen.

Franziska  Ist dies möglich, weil Bremen so überschaubar ist, die Wege so kurz sind?

Thomas  Dass sich in Bremen die Akteur*innen alle kennen, ist natürlich von großem Vorteil. Deshalb passiert in Bremen auch sehr viel. Hinsichtlich des Klimaschutzes dürften jedoch die Klimaschutzziele des Bremer Senats entscheidend sein. Diese sehen für den Kulturbereich ein CO2-Reduktionsziel von 60 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 und von 95 Prozent zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2038 vor. Allerdings sind unsere 41 Einrichtungen keineswegs alle in Jubelschreie über das Angebot bezüglich der Koordinierungsstelle ausgebrochen. Das Angebot wurde zunächst sehr kritisch geprüft.

Franziska  Anfang November 2022 haben der Bund und die Länder sich darauf verständigt, den Härtefonds für Kultureinrichtungen in Höhe von einer Milliarde Euro aufzulegen. Zur Deckung der Mehrkosten für Energie (siehe: www.kulturfonds-energie.de). Das macht Mut. Dass er so notwendig ist, zeigt aber auch, wie vulnerabel Kultureinrichtungen aufgrund des Sanierungsstaus sind. Mich ärgert das. Denn Sanierungen auf die lange Bank zu schieben verhindert die Resilienz von Kultureinrichtungen; sie bleiben abhängig. Ein Fonds, der nur auf die Schließung der Energiekostenlücke zielt, greift viel zu kurz!

Kultureinrichtungen brauchen Investitionen in Nachhaltigkeit, damit sie resilienter werden. Das sind nicht nur Wärmedämmung und Fahrradständer, sondern auch Investitionen in die Menschen. 

Thomas  Ich stimme dir zu. Aber natürlich müssen die Häuser auch gut über den Winter kommen.

Franziska  Und dann? Wir haben keine Zeit, uns auf solch reaktiven Maßnahmen auszuruhen! An diesem Beispiel lässt sich doch sehr gut verdeutlichen, wohin die Reise gehen muss: Kultureinrichtungen brauchen Investitionen in Nachhaltigkeit, damit sie resilienter werden. Das sind nicht nur Wärmedämmung und Fahrradständer, sondern auch Investitionen in die Menschen. Die Soziokultur befindet sich mitten in einem Generationenwechsel. Die neue Generation möchte und kann sich nicht in dem Maße ausbeuten, wie es die Gründer*innen getan haben. Faire Bezahlung und langfristige Perspektiven sind so wichtig.

Thomas  Faire Bezahlung ist ja nicht nur bei uns in Bremen ein riesiges Thema im Kulturbereich – vor allem in der freien Szene. Erstaunlich ist, dass wir noch keine gemeinsame, tragfähige Strategie und Perspektive entwickelt haben. Wie stellt sich das für dich aus Bundesperspektive dar?

Franziska  Die Soziokultur ist eine wichtige Vermittlerin der sozial-ökologischen Transformation. Sie erreicht eine enorme Bandbreite in der Gesellschaft. In der Vermittlerrolle liegt ein Potenzial, das zu wenig anerkannt ist. Das muss sich ändern und hier müssen wir – und damit meine ich auch den Bundesverband – selbstbewusster eine fi- nanzielle Ausstattung für die Soziokultur fordern, die gute Arbeit und gute Arbeitsbedingungen ermöglicht.

Dieses Gespräch ist erschienen in der SOZIOkultur 1/2023 Energie

Gute Nachrichten für die stark belastete Soziokultur: Im Februar soll das dringlich erwartete Förderprogramm zum Kulturfonds Energie des Bundes starten. Bis zu einer Milliarde Euro wurde zur Unterstützung des Kulturbereichs aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zur Verfügung gestellt. Der Bundesverband Soziokultur wiederholt seinen ausdrücklichen Dank an die Bundesregierung, an die Kulturstaatsministerin Claudia Roth und alle Bundestagsabgeordneten, die sich dafür eingesetzt haben.

Der Kulturfonds Energie wird als Bund-Länder-Kooperation umgesetzt und über die Strukturen des Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen ausgereicht. Die administrative Abwicklung erfolgt über die Kulturministerien der Länder.

Soziokulturelle Zentren können bis zu 80 Prozent ihrer Mehrbedarfe beantragen. Bei Kulturveranstaltenden wird der Energiekostenmehrbedarf über einen Festbetrag pauschal gefördert, gestaffelt nach der Kapazität des jeweiligen Saales, in dem die Kulturveranstaltung stattfindet.

Der Förderzeitraum des Kulturfonds Energie des Bundes erstreckt sich rückwirkend vom 1. Januar 2023 bis zum 30. April 2024 (Ende der Gas-, Wärme- und Strompreisbremse).

Vor Programmstart werden die Länder gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat zu einer Online-Informationsveranstaltung für interessierte Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltende einladen.

Der Bundesverband Soziokultur empfiehlt nachdrücklich ein umfassendes Beratungsangebot besonders für kleinere, überwiegend ehrenamtlich betriebene Kultureinrichtungen anzubieten und dafür mit den Fachverbänden zusammenzuarbeiten. Soziokulturelle Einrichtungen sind generell personell unterfinanziert, in ihrem Veranstaltungsbetrieb nach der Pandemie in vielfacher Hinsicht noch immer stark belastet. Sie brauchen deshalb ein schlankes und leicht verständliches Antrags- und Abrechnungsverfahren, damit die Mittel flächendeckend abgerufen und eingesetzt werden können.

Ellen Ahbe, Geschäftsführung des Bundesverbands Soziokultur: „Gerade im europäischen Vergleich ist es wirklich beachtlich wie Kultur und im Speziellen die Soziokultur in Deutschland geschützt und unterstützt wird. Unsere umfassenden Erfahrungen mit der Weiterleitung von Bundesmitteln, insbesondere im Programm NEUSTART KULTUR, haben jedoch gezeigt, dass vor allem überwiegend ehrenamtlich getragene Einrichtungen, die nicht zuletzt in den ländlichen Räumen eine so bedeutsame Arbeit leisten, bei der Antragstellung und auch Abrechnung gut beraten werden müssen. Sie befürchten Rückzahlungen, die aus Unkenntnis des komplexen Zuwendungsrechts resultieren. Daher empfiehlt der Bundesverband Soziokultur dringend eine unbürokratische und leicht verständliche Antragsstellung. Auch in das Beratungsangebot sollte personell investiert werden. Es lohnt sich, denn es qualifiziert die Soziokultur, auch künftig Förderprogramme des Bundes zu nutzen.“

Der vollständige Text der Pressemitteilung der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien (BKM) kann hier nachgelesen werden.

Kreativ auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren, ist der Soziokultur immanent. So wurden besonders im letzten Jahr eine Vielzahl an neuen Formen und Formaten erprobt und entwickelt – die aktuelle Ausgabe der SOZIOkultur stellt diese konkret vor.

Ein Feuerwerk an Ideen machen Open-Air-Formate, hybride und virtuelle Projekte deutlich: Ob Urban-Art-Schatzsuche in Kassel, öffentliche Chorproben in Dresden, Balkonkonzerte in Ludwigshafen oder das digitale Rund-um-Programm des Stadtteilprojekts Light Up! Neunkirchen – vielfach musste nicht nur die Umsetzung der Projekte, sondern auch die Zusammenarbeit der Akteur*innen neu strukturiert werden.

Von Bund, Ländern und Kommunen gefördert, stellten die soziokulturellen Zentren und Initiativen ihre Wendigkeit einmal mehr unter Beweis. Sie experimentierten zwischen technischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Herausforderungen und zeigten innovative Wege für die Fortsetzung der Kunst und Kultur während der Pandemie auf.

Das Thema Raum bekam einen neuen Stellenwert. Jochen Molck regt an, die Beziehungen zwischen Nahräumen, öffentlichen und digitalen Räumen neu auszutarieren. Mit seinen Überlegungen gab er den Impuls zur Online-Konferenz von UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier. Unter dem Thema „Neue Formate der Stadtteilarbeit“ stand dort die Frage im Mittelpunkt, was künftig spannend für die künstlerische Nachbarschaftsarbeit sein könnte. Das digitale Setting der Konferenz kam bei den Teilnehmenden gut an, denn es war experimentell, spielerisch und somit auch unterhaltsam.

Doch wie absolut, radikal oder relativ ist das Neue in der Soziokultur? Braucht es überhaupt noch mehr Bemühungen um neue Inhalte mit neuen Formaten zu erfassen? Dazu verständigen sich zum einen Susann Köbernick, Newcomerin der Soziokultur aus dem Spreewald, und Andreas Kämpf, Vertreter der Gründergeneration. In der Rubrik „Meinung“ äußert sich Georg Halupczok zu diesen Fragen: Kontinuität sei ausschlaggebend, nicht die oftmals förderpolitisch angeheizte Jagd nach der Innovation. Auch das Bewährte brauche Beachtung.

Das „Porträt“ widmet sich mit zeitraumexit einem Kulturort in Mannheim mit besonderer Programmatik. Dem Team geht es um nichts weniger als die Verbindung von experimenteller Kunst, Stadtgesellschaft und Alltagsleben. Diese selbst gesetzten hohen Ansprüche kontinuierlich zu erfüllen, kostet viel Kraft und Ausdauer, doch zeitraumexit gelingt es in exzellenter Art und Weise immer wieder, die Menschen in der Nachbarschaft zum kunstvollen und aktiven Mitgestalten zu bewegen.

Das und noch mehr lesen Sie in der aktuellen SOZIOkultur.

Soziokultur ist vor allem eines: Kultur vor Ort. Ob in der Metropole, Kleinstadt oder ländlichen Gemeinde – Zentren und Initiativen wirken in ihren Kommunen und gestalten das Zusammenleben mit. Wie das konkret aussieht, zeigt die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift SOZIOkultur.

Corinne Eichner und Carsten Nolte blicken auf die aktuelle Lage. Sie heben das Miteinander hervor, und betonen, wie wichtig soziokulturelle Angebote gerade jetzt sind, denn sie führen zu stabilen Bindungen, Kommunikation und Verständnis in den Kommunen – und damit gerade dort, wo die Umbrüche stattfinden.

Als Kulturberaterin ist Elke Flake mit der Soziokultur bestens vertraut und als Ratsmitglied mit der Kommunalpolitik. Sie unterstreicht die Notwendigkeit kommunaler Förderung der Soziokultur und gibt Tipps, wie es dieser gelingt, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.

„Immer rein ins Getümmel“, rät Jörg Stüdemann. Aus der Soziokultur kommend, ist er heute Kulturstadtrat und Kämmerer in Dortmund. Er sieht die Gemeinsamkeit im Engagement von Kultur und Politik für ein besseres Leben in der Kommune und ermuntert die Soziokultur, sich mehr einzumischen.

Seit mehr als 20 Jahren kämpft die soziokulturelle Szene in Duisburg um einen Ort in der Stadt. Nun hat sie ihn mit dem Stapeltor 6 endlich gefunden: nach häufigem Scheitern, dank hartnäckigem Engagement und endlich offener Ohren im Rat.

Auch die laufenden Förderprogramme des Bundes kommen Soziokultur UND Kommunen zugute. Hans Hüller, Bürgermeister der Gemeinde Witzin in Mecklenburg, beschreibt, wie Kultur die Menschen zusammenbringt. Mithilfe von LAND INTAKT konnte eine alte Skaterhalle zu einer modernen Multifunktionshalle umgebaut werden.

In Kassel arbeiten das Umwelt- und Gartenamt und das Kulturzentrum Schlachthof eng zusammen. Im Rahmen des UTOPOLIS-geförderten Nachbarschafts-Kunstprojektes „Hier im Quartier“ konnten über partizipative Methoden Ideen zur Freiraumplanung der Stadt gesammelt und Menschen in der Pandemie direkt erreicht werden.

Das Beispiel der Lagerhalle Osnabrück zeigt, welch wichtige Rolle die Kulturförderung der Kommune spielt. Der Rat der Stadt machte den Zugang zum Förderprogramm NEUSTART KULTUR und damit den Einbau einer Lüftungsanlage möglich, indem er den städtischen Anteil erheblich aufstockte.

Bei Jugend ins Zentrum! stellen immer mehr kommunale Einrichtung Projektanträge für Ferienworkshops, weil die Förderung von Kurzformaten in 2021 und 2022 deutlich vereinfacht werden konnte.

Zwei vom NEUSTART Sofortprogramm geförderte Einrichtungen ziehen ein Fazit nach eineinhalb Jahren Pandemie: Die Alte Papierfabrik Greiz e.V. fordert die Stärkung des Ehrenamts, das Kl!ck Kindermuseum in Hamburg wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche vermehrt an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden.

Die Pandemie ist hoffentlich vorüber, aber die zu lösenden Aufgaben kommen erst – nicht nur für Wirtschaft und Handel, auch für die Demokratie. Die Soziokultur kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten – und die Kommunalpolitik ist gefragt, dies zu unterstützen. Je enger sie zusammenwirken, desto besser wird es gelingen.

Das und noch mehr in der aktuellen SOZIOkultur zum Thema KOMMUNE.

Informationen zur Bestellung der Printausgabe finden sich hier.

Interview von Radio Lotte, Weimar, mit unserem Vorstandsmitglied Georg Halupczok.

In der Sendung vom Samstag, den 26. Juni 2021, bei Radio Lotte, drehte sich alles um das Thema Soziokultur. Der Bundesverband war für ein Interview angefragt. Unser Vorstandsmitglied Georg Halupczok gab Antworten auf Fragen wie

Georg Halupczok stellt die Perspektiven der Soziokultur und ihre gesellschaftliche Wichtigkeit gerade in Zeiten einer Pandemie dar. Er unterstreicht, wie wichtig und richtig die Förderung der großen Hilfspakete NEUSTART Sofortprogramm und NEUSTART KULTUR für das Aufrechterhalten der soziokulturellen Strukturen, insbesondere auch in ländlichen Gegenden, war und ist. Mit Blick in die Zukunft warnt er aber davor, die soziokulturellen Zentren mit ihrer so wichtigen Arbeit ab sofort alleine zu lassen. Sie brauchen langfristige Unterstützung und sichere Zukunftsaussichten.

Nachzuhören ist das Interview von Michelle Werner hier. Vielen Dank an Radio Lotte für den Mitschnitt.

Am 2. Juni 2021 fand die Online-Fachkonferenz Soziokultur im Change! Nachhaltige Zukunftsgestaltung in Kultureinrichtungen statt. Wir hatten auf unserer Webseite darauf hingewiesen.

Die Stiftung Niedersachsen hat zwischen 2016 und 2021 insgesamt 15 soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen, theaterpädagogische Zentren und Kultureinrichtungen im ländlichen Raum mit dem Förderprogramm sozioK_change bei ihren Organisationsentwicklungsprozessen begleitet. Ziel war es, mit Hilfe von Change Management Probleme zu benennen sowie Lösungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

Die Tagung führte die Ergebnisse zusammen und stellte die Erfahrungen aus den Erneuerungsprozessen der kulturellen Einrichtungen mit Blick auf die Kulturförderung in den Fokus.

In der anschließenden kulturpolitischen Talkrunde wurden Erkenntnisse des Förderprogramms sozioK_change der Stiftung Niedersachsen sowie erste Ergebnisse der Evaluation des Sonderprogramms NEUSTART KULTUR des Fonds Soziokultur diskutiert. Darauf basierend wurde über kulturelle Infrastrukturen und die Rahmenbedingungen der Förderung debattiert.

Die Dokumentation der Tagung ist hier abrufbar.

Die Tagung „Soziokultur im Change!“ der Stiftung Niedersachen fand statt in Kooperation mit dem Bundesverband Soziokultur, dem Landesverband Soziokultur Niedersachsen und der Kulturpolitischen Gesellschaft.

Ihr wollt mehr erfahren über soziokulturelle Arbeit im Quartier? Ihr fragt euch, wie es auch während der Pandemie gelingt, Menschen zu erreichen und künstlerisch-kreativ zusammenzubringen? Dann ist der UTOPOLIS Newsletter genau das Richtige.

Wir berichten von neuen kontaktfreien Methoden in der soziokulturellen Arbeit, den Herausforderungen und Erfolgen während der Pandemie, und geben Ausblick auf hoffentlich bald wiederkehrende reale Begegnungen in der Nachbarschaft.

Nach rund zwei Jahren Arbeit im Quartier haben wir viele Geschichten zu erzählen und Infos gesammelt, die wir in 2-monatigen Abständen weitergeben wollen.

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Nicht nur die Pandemie, sondern auch der Generationenwechsel, die Digitalisierung und eine sich rasant ändernde Gesellschaft stellen Kultureinrichtungen vor große Herausforderungen.

Fit für die Zukunft?

Die Stiftung Niedersachsen hat von 2016 bis 2021 insgesamt 15 soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen, theaterpädagogische Zentren und Kultureinrichtungen im ländlichen Raum mit dem Förderprogramm sozioK_change bei ihren Organisationsentwicklungsprozessen begleitet. Ziel war es, mit Hilfe von Change Management Probleme zu benennen sowie Lösungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

Change Management bietet die Chance, mit der Unterstützung von externen Berater*innen neue Visionen und Strukturen zu entwickeln und Mitarbeiter*innen, Besucher*innen und Förderer*innen gleichermaßen von einer neuen Ausrichtung zu überzeugen. Im Zentrum der Prozesse standen Fragen nach dem eigenen Profil und nach der zukünftigen inhaltlichen, strukturellen und personellen Ausrichtung der Kultureinrichtung:

 

Diesen und weiteren Fragen sind die soziokulturellen Einrichtungen nachgegangen. Die Wege und Ergebnisse dieser langjährigen Prozesse werden als „Blick in die Praxis“ in Referaten und Diskussionsrunden auf der Tagung vorgestellt. Außerdem soll in den Blick genommen werden, was die Erfahrungen aus den Erneuerungsprozessen der kulturellen Einrichtungen für die Kulturförderung bedeuten.

In der anschließenden kulturpolitischen Talkrunde werden in kurzen Impulsreferaten die Erkenntnisse des Förderprogramms sozioK_change der Stiftung Niedersachsen sowie erste Ergebnisse der Evaluation des Sonderprogramms NEUSTART KULTUR des Fonds Soziokultur vorgestellt und es wird über kulturelle Infrastrukturen und die Rahmenbedingungen der Förderung debattiert.

Anmeldung bis 29. Mai 2021

Die Tagung richtet sich spartenübergreifend an alle Akteur*innen der deutschen Kulturlandschaft sowie die interessierte Fachöffentlichkeit. Die Anmeldung ist bis zum 29. Mai 2021 möglich. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Tagung „Soziokultur im Change!“ ist eine Veranstaltung der Stiftung Niedersachen in Kooperation mit dem Bundesverband Soziokultur, dem Landesverband Soziokultur Niedersachsen und der Kulturpolitischen Gesellschaft.

Die Online-Fachkonferenz findet statt am Mittwoch, den 2. Juni 2021 von 13:30 bis 18:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Konferenz findet via Zoom statt und alle Teilnehmenden sind eingeladen zum anschließenden Get-together bei wonder.me.

Information und Anmeldung.